Kommentar zum Weser Kurier Artikel: Nur noch schadstoffarm in die Bremer City

Die heutige Berichterstattung des Weser Kuriers über die Umweltzone ist leider ausgesprochen einseitig. Darin wird nur Gegnern der Umweltzone ein umfassendes Forum geboten, um ideologische Positionen im Weser Kurier zu präsentieren. ADAC und CDU fordern zum wiederholten Mal die Abschaffung der Umweltzone wegen angeblicher Wirkungslosigkeit.  

Der BUND wartet immer noch auf tragbare Konzepte von ADAC, CDU, FDP und Handelskammer, mit denen die Einhaltung der Grenzwerte ohne Umweltzone möglich ist. Doch eine Antwort steht aus. Leider wurden die Herren Strohmann (CDU) und Linge (ADAC) auch gar nicht nach Konzepten gefragt. Die Antwort wäre ganz sicher für viele Leser und Betroffene, die an Hauptverkehrsstraßen wohnen, sehr interessant gewesen. Ebenso eine Erklärung, wie Bremen mit jährlich drohenden Strafzahlungen an die EU in Höhe von 250.000 Euro täglich umgehen soll.

Wer die Abschaffung der Umweltzone fordert, fordert damit indirekt die Einführung anderer Schadstoff mindernder Maßnahmen wie Fahrverbote oder City-Maut, denn Maßnahmen zur Schadstoffminderung sind für die Kommune rechtlich zwingend.

Gleichzeitig würde er damit vor allem wieder hoch emittierende Nutzfahrzeuge in die City holen, die einen Großteil des gefährlichen Anteils an Feinstaub (50%) produzieren, obwohl sie nur 5-10% Verkehrsanteil haben. Für die Pkw-Flotte stellt die Umweltzone schon längst kein ernstes Hindernis mehr dar. Nur noch wenige haben keine grüne Plakette.

Und die Mär zu verbreiten, die City sei nicht erreichbar, ist in höchstem Maße Standort schädigend. Zum Einkaufszentrum auf der grünen Wiese fährt man mit dem Auto, weil man dort nicht anders hinkommt! Zu glauben, diese Autofahrer gingen der Innenstadt „verloren“, ist ein Irrtum, denn schon heute fahren die Besucher der Innenstadt überwiegend mit ÖPNV oder Fahrrad. Nur 20% kommen mit dem Auto! Das erklärt auch, warum nach Einführung der Umweltzone in der City offensichtlich kein wirtschaftlicher Schaden entstanden ist, wie von den Gegnern immer wieder beschworen wurde. Viel wichtiger als automobile Erreichbarkeit ist ein attraktives Angebot in der Innenstadt. Das zeigen auch Städte wie Wien oder Kopenhagen.

Das Bremer Verkehrssystem ist in vielen Bereichen umweltfreundlicher und besser als es immer wieder beschrieben wird! Der BUND hat das in seinem Positionspapier „Mobilität für alle – statt Vorfahrt für Benzinkutschen“ ausführlich dargelegt.

Richtig ist, dass es noch keinen messtechnischen Beweis für die Wirksamkeit der Umweltzone gibt. Das lässt sich aber seriös nun mal nicht aus dem Ärmel schütteln und erfordert mehrjährige Messzyklen. Daraus den Umkehrschluss zu ziehen, die Umweltzone sei unwirksam, ist aber falsch. Wie soll dieses Instrument Wirkung zeigen, wenn es noch nicht einmal vollständig eingeführt wurde?

Rechtlich klar ist auch: Sollte sich die Umweltzone nach Prüfung tatsächlich als wirkungslos erweisen, ist Bremen zu weiteren, Schadstoff mindernden Maßnahmen gefordert!

Richtig aber ist auch, dass immer mehr Autofahrer, Unternehmen und Handwerker bei der Beschaffung von Fahrzeugen auf Umweltfreundlichkeit achten. Der Anteil sauberer Nutzfahrzeuge in Bremen steigt beständig an! Von diesen positiven Effekten findet sich in dem Artikel leider kein Wort. Auch nicht über die, die sich bereits ein sauberes Fahrzeug gekauft haben? Bestrafung für Umweltengagierte und Belohnung für Dieselstinker?

Außerdem hätte man in diesem Kontext aus unserer Sicht unbedingt auch andere Aspekte recherchieren müssen: Gefährlichkeit von Feinstaub und NO2, die 10 Mal mehr vorzeitige Todesfälle in Bremen verursachen als Verkehrsunfälle. Kein Wort über die Problematik von Dieselmotoren bzgl. Feinstaub und NO2. Keine Differenzierung in gefährliche (Dieselmotoren) und eher harmlosen Feinstäube, bzw. deren Quellen. Es scheint einfach nicht in die Köpfe der Umweltzonengegner zu gehen, dass es gerade die ultrafeinen Partikel aus dem Dieselruß sind, die extrem giftig für uns alle sind – auch für Autofahrer - selbst wenn sie in der Gesamtmasse nur einen relativ geringen Anteil haben. Bei Luftmessungen werden aber alle Partikel mit einem Durchmesser bis zu 10 Mikrometern erfasst. Ein einziges Partikel mit 8 Mikrometer Durchmesser wiegt beispielsweise genauso so viel wie 512 Millionen ultrafeine hochgiftige Partikel mit 0,01 Mikrometern aus dem Dieselmotor, wird aber messtechnisch gleich bewertet! Bislang ein ungelöstes Problem. Und darum müssen Dieselstinker raus aus der Innenstadt!

Der BUND empfiehlt dazu auch die Lektüre der Publikationen von Prof. Wichmann vom Helmholtz-Zentrum in München zu diesem Thema, z.B. hier.

Eine Langzeitstudie von Prof. Wichmann ergab, dass sich bei Frauen, die näher als 50 Meter an einer Hauptverkehrsstraße lebten, die allgemeine Sterblichkeit um fast 40 Prozent erhöht. Das Risiko, an einer Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankung zu versterben, stieg sogar um fast 80 Prozent! Darum ist es besonders wichtig, gerade diese ultrafeine Partikelfraktion zu reduzieren.

Kein Wort auch über die positiven Erfahrungen mit der Umweltzone aus Berlin. In der Umweltzone in Berlin sank 2010 nach Beschränkung der Einfahrt auf Fahrzeuge mit grüner Plakette dieser Rußanteil um ca. 60%, was einem Rückgang der PM10 Konzentration insgesamt um ca. 12% entspricht. In der Berliner Umweltzone, in der eine Million Menschen leben, werden dadurch pro Jahr 144 Dieselruß bedingte Todesfälle vermieden.

Was denken Sie zur Umweltzone? Schreiben Sie uns hier Ihren Kommentar!



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