13. Juli 2010
Fruchtzwerge in der Kinderwildnis?
Von: Tanja Greiß

Die Gauklerprüfung: bauen einer menschlichen Pyramide
„Ich bin ein Fruchtzwerg!“ ruft der 7-jährige Nick und meint damit nicht etwa einen quietschbunten, zuckersüßen Nachtisch, sondern seine Rolle im Heldenspiel „Pimpinella und die Königsblaubeeren“. Eine Woche lang übten 15 Ferienkinder zwischen 6 und 10 Jahren die verschiedenen Fähigkeiten ihrer Heldenrolle auf dem Naturspielgelände BUND-Kinderwildnis für das große Finale: die Jagd nach den Königsblaubeeren! Waldlinge, Zauberer, Gaukler, Künstler, Abenteurer und eben die Fruchtzwerge meistern schwierige Aufgaben, um am Donnerstag die finale Heldenprüfung zu bestehen. Nick und die anderen Fruchtzwerge zeichnen sich durch ihr großes Wissen über Früchte aus. Sie üben sich im „Früchte-blind-am-Geschmack-erkennen“ und sind verantwortlich für das auf der Feuerstelle gekochte Apfelmus.
Spielerisch führt Wiebke Wahl vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Kinder mit ihrer Heldengeschichte an Naturwissen heran. „Viele Kinder kennen sich überhaupt nicht in der Natur aus. Sie brauchen Erwachsene, die mit ihnen die Neugierde teilen und Anregungen zum Forschen geben“, meint die Umweltpädagogin. Das dies auch mit viel Spaß geht, kann man an den Gesichtern ablesen. Trotz der großes Hitze sind die Kinder mit Begeisterung dabei, wenn sie Äpfel mit einem Speer aus einem wassergefüllten Eimer fischen müssen (Aufgabe der Abenteurer), Spinnen suchen und nachbasteln (Zaubereraufgabe) oder eine menschliche Pyramide auf der Wiese bauen (für die Gaukler). Die Ferienkinder des BUND nehmen aber nicht nur Wissen über die Früchte und Tiere der Kinderwildnis mit, sie wachsen auch als Gruppe zusammen.
Der integrative Ansatz ist ein besonderes Merkmal dieser Ferienwoche. Der BUND bietet nun schon im fünften Jahr Ferienwochen in Kooperation mit der Lebenshilfe Bremen an. Bis zu vier Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen können zweimal im Jahr eine Woche mit 12 „gesunden“ Kindern ihre Ferien in der Kinderwildnis verbringen. „Die Kinder nehmen die Beeinträchtigungen gar nicht wahr. Es ist toll zu beobachten, wie selbstverständlich sie miteinander umgehen“, staunt Sarah Volz, die als FÖJlerin die Ferienwoche begleitet. Das dies so gut funktioniert, liegt an den Erfahrungen der letzten Jahre. Die Integrationskräfte der Lebenshilfe werden schon in der Planungsphase mit eingebunden und können sich und die Kinder auf diese Weise gut vorbereiten. Das Angebot an kooperativen Spielen fördert das soziale Lernen und lässt die Kinder zu einer Gruppe zusammenwachsen. Dazu kommt, dass die Angebote in der Kinderwildnis auf Freiwilligkeit beruhen und die Kinder genug Zeit zum freien Spielen bekommen.
Nick, der Fruchtzwerg, ist inzwischen gut als Held ausgebildet: er hat Zauberduftsäckchen und Jonglierbälle gebastelt, die Welt der Krabbeltiere erforscht und Bäche überquert.
So gut vorbereitet kann das Team aus kleinen Helden die wichtige Aufgabe am Ende erfolgreich bestehen und voller Freude am großen Fest, mit vielen Königsblaubeeren, teilnehmen.
Kinder ab 8 Jahren, die sich für Sommerferien in der Kinderwildnis interessieren, haben Glück, denn es gibt für die Woche vom 19.07. bis zum 23.07. noch freie Plätze. Täglich von 15.30 bis 18.00 Uhr können die Kinder am Ytong- und Specksteinkurs teilnehmen. Die Teilnahme kostet 50 Euro inklusive Materialkosten. Eltern melden bitte ihre Kinder in der BUND-Geschäftsstelle unter 0421/790020 an. Weitere Infos gibt’s unter www.bund-bremen.net.