22. Dezember 2016

GEWOBA: Pionier im Artenschutz für Gebäudebrüter

Nur wenige wissen, dass Mauersegler, Spatzen und auch etliche Fledermausarten gerade unsanierte Gebäude als heimliche „Untermieter“ nutzen. Wenn die im Laufe der Zeit entstandenen Spalten und Öffnungen bei einer Modernisierung oder auch bei einer Instandsetzung geschlossen werden, gehen Niststätten und Quartiere für diese Tiere verloren. Damit diese seit Jahrhunderten auf den Menschen angewiesenen Kulturfolger nicht in ihrem Lebensraum bedroht werden, lässt die GEWOBA seit 2015 die entsprechenden Gebäude vorab artenschutzfachlich vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Bremen begutachten und erhält diese bzw. schafft Ersatz. Dieses Vorgehen dient nicht nur der Artenvielfalt in der Stadt, sondern bietet auch Rechtssicherheit. Es gilt: Auch die unbemerkte und ungewollte Zerstörung von solchen Lebensräumen ist gesetzlich verboten. In diesem Jahr wurden bei über 50 Gebäuden insgesamt 174 Fledermausquartiere und 121 Vogelniststätten vom BUND Bremen ausfindig gemacht. Bei den Vogelniststätten war ein Erhalt nur selten möglich, daher wurde zumeist Ersatz geschaffen: Insgesamt wurden über 170 Nistkästen am Dach oder an der Fassade an möglichst identischen Stellen angebracht. Dies ist wichtig ist, weil einige Vögel wie der Mauersegler sehr standorttreu sind und bereits geringe Veränderungen dazu führen können, dass der Ersatz nicht oder erst Jahre später angenommen wird. 

Spitzenreiter bei den Fledermäusen waren zwei große GEWOBA-Gebäudekomplexe in Bremerhaven, wo an den Waschbetonfassaden insgesamt fast 150 Fledermausquartiere gefunden wurden. Hier wurde zwar wie geplant eine Wärmedämmung angebracht, aber über sogenannte Einlaufblenden konnten exakt die Hohlräume und Spaltenquartiere, die von den Fledermäusen genutzt werden, erhalten und für die Tiere wieder zugänglich gemacht werden. Die Beweggründe des Unternehmens beschreibt Lars Gomolka, Leiter Bestandstechnik: „Wir wollen unseren Kindern und Enkelkindern auch in Zukunft noch Vögel und Fledermäuse im Wohngebiet zeigen können.“ Um zu erfahren, ob diese Fledermaus-Artenschutzmaßnahmen wirksam waren, wurde bei einem ähnlichen, 2015 modernisierten Gebäude mittels Detektoren eine einwöchige Kontrolle vorgenommen. Die Auswertung zeigt, dass allein in einer Nacht eintausend Rufe von Zwergfledermäusen aufgezeichnet wurden. Im nahen Umfeld der Fledermaus-Einlaufblenden jagen und balzen noch weitere Fledermausarten wie beispielsweise der große Abendsegler oder die Breitflügelfledermaus. Die stärksten Aktivitäten sind aber definitiv den Zwergfledermäusen zuzuordnen, die auch über 600 Sozialrufe von sich gaben. „Ein Ruf kann zwar nicht mit einem Tier gleichgesetzt werden, denn bei mehreren Rufen nacheinander kann nicht unterschieden werden, ob diese alle von einem jagenden Tier stammen oder ob mehrere Fledermäusen kurz hintereinander auftreten“, erläutert Siecke Martin vom BUND. „Die hohe Rufanzahl zeigt aber deutlich, dass hier auch nach der Sanierung eine sehr hohe Fledermausaktivität vorhanden ist“, freut sich die Expertin über den Erfolg.

Doch nicht nur Wohnungsbaugesellschaften, sondern auch Hausbesitzer*innen können sich für Mauersegler, Spatz und Co einsetzen. Stets wenn ein Gerüst aufgestellt wird, kann dies genutzt werden, um Vogelnistkästen und/oder Fledermausquartiere anzubringen. Wichtig ist auch, heimische Blumen und Sträucher anzupflanzen, um möglichst vielen Insekten und somit auch den Vögeln und Fledermäusen Nahrung zu bieten. Das Gärtnern ohne Pestizide sollte nicht nur zum Schutz von Vögeln selbstverständlich sein.

Rückfragen an Frau Siecke Martin, siecke.martin@bund-bremen.net, 0421-79 00 245




  • Direkt zur Online-Spende, Foto: eyewire / fotolia.com
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