12. Juni 2017

Stadtgrün durch Wohnungsbau bedroht? - Konflikt zwischen Stadtgrün und Wohnbauflächen entschärfen

Über 2000 Baugenehmigungen pro Jahr! Das Bremer Bauressort hat einen vor Kurzem noch kaum möglich gehaltenen Output an Baugenehmigungen erzielt. Mehr als die Gewos-Studie als Bedarf errechnet hat. Ein großer Erfolg des rot-grünen Senats. Doch dem roten Koalitionspartner reicht das nicht. Jetzt sollen es deutlich mehr als 2000 Baugenehmigungen pro Jahr sein und dafür bitteschön auch auf die Grüne Wiese gehen. Der BUND lehnt die Rückkehr zum Bauen auf der Grünen Wiese entschieden ab.  Wohnungsbau folgt längerfristigen Zyklen. Immer mehr Baugenehmigungen zu fordern, wird schnell zum populistischen Selbstläufer. „Kein Wunschdenken, sondern die Orientierung an seriösen Baubedarfsplanungen ist weiterhin wichtig“, betont BUND Geschäftsführer Martin Rode. „Vor allem muss gelingen, genehmigte Bauvorhaben weitgehend vollständig zu realisieren, statt Baugenehmigungen Spekulanten anheimfallen zu lassen.“ Der tatsächliche Bedarf an Wohnbauflächen kann denn auch durch Innenentwicklung erbracht werden, ist der BUND überzeugt.

Aber Innenentwicklung ist kleinteilig, komplex und alles andere als konfliktfrei. Ein wesentliches Konfliktfeld besteht mit dem Stadtgrün. Städtisches Grün ist für die Lebensqualität in den Quartieren von großer Bedeutung. Zu den Funktionen von Stadtgrün gehören Naherholung, Freizeitsport, Gesundheitsvorsorge, stadtklimatischer Ausgleich, Biodiversität, Spielraum und Treffpunkt für die Quartiersbevölkerung. Bei jeder Baufläche muss deshalb genau hingeschaut werden, um Konflikte klein zu halten. Dies gilt besonders da, wo im Flächennutzungsplan mit Grünschraffur diejenigen Stadträume gekennzeichnet sind, in denen besondere Grünfunktionen bei der Planung zu berücksichtigen sind.

Das Wohnbauflächenprogramm des Bauressorts enthält über 100 Potenzialflächen. Die meisten davon hält der BUND für relativ unproblematisch. Dennoch umfasst das Wohnbauflächenprogramm derzeit auch ein paar Flächen, die massive Konflikte mit dem Stadtgrün auslösen. Hierzu zählen laut BUND die Flächen Huchtinger Heerstraße in Huchting und Wendeschleife an der H.-H.-Meier-Allee in Horn-Lehe. Den größten Verlust innerstädtischen Altbaumbestandes bringt das Neue Hulsbergquartier auf dem Gelände des Krankenhauses Mitte mit sich, ausgerechnet in der hochgradig verdichteten Östlichen Vorstadt. 

Ein Stadtteil, der sich durch einen besonders wertvollen Altbaumbestand auszeichnet, ist Oberneuland. Hier sind Brennpunkte Rotbuchenweg und Im Holze. „Wir fordern für solche Brennpunktbereiche Vorrang für das Stadtgrün“, so der Landschaftsplaner Gunnar Oertel vom BUND. „Wenn das wie beim Hulsbergquartier nicht möglich ist, müssen jedoch die wertgebenden Kerne – hier vor allem der alte Klinikpark – durch geschickte Planung erhalten und neue bedeutsame Grünelemente  - z.B. Gebäudehüllen mit vertikalen Gärten und begrünten Dächern - hinzugewonnen werden“, fasst Oertel die Position des BUND zusammen.

Darüber hinaus gibt es im Wohnbauflächenprogramm des Bauressorts eine Reihe von Flächen, in denen eine Bebauung sehr sorgsam und vorsichtig mit den vorhandenen Grünfunktionen auszutarieren ist. BUND-Stadtökologe Oertel: „Eine Totalbebauung kommt in solchen Bereichen nicht in Frage.“ Dazu zählen u.a. die Flächen An der Brakkuhle in Oslebshausen, Am Geestkamp in Grambke und Große Laake in Osterholz.

Das Projekt Ellener Hof zeigt den Weg in die es nach Auffassung des BUND gehen muss. Hier bemüht sich die Bremer Heimstiftung gemeinsam mit dem Bauressort, ein neues Quartier durch anspruchsvolle multifunktionale Bebauung mit umweltfreundlichen Techniken und Materialien aufzubauen und dabei die wertgebenden Grünfunktionen weitgebend zu erhalten. 

Über das  Wohnflächenprogramm hinaus, gibt es weitere große Potenziale der Innenentwicklung z.B. auf riesigen Parkplätzen sowie durch Umnutzung und Ausbau von Bestandsimmobilien. Nicht zuletzt gilt es, eine Realisierungspflicht für Baugenehmigungen einzuführen, in dem diese nach drei Jahren verfallen, wenn das Bauvorhaben nicht realisiert wird. In Hamburg wird vorgeführt, dass so etwas möglich ist. 

Rückfragen:

Martin Rode, 0171 3354 500

Gunnar Oertel, 0421 71006




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