Luftverschmutzung: Woher kommt der Dreck in der Luft?

Der motorisierte Verkehr ist nicht nur ein massiver CO2- Erzeuger sondern auch - besonders in Städten - eine bedeutende Quelle von Luftschadstoffen. Unbestritten sind die Erfolge in der Luftreinhaltung, die seit der Einführung des Drei-Wege-Katalysators und des bleifreien Benzins in den 1980er Jahren zur Verringerung von Luftschadstoffen erzielt worden sind. So hat sich zum Beispiel zwischen 1980 und 2003 der Ausstoß von Stickstoffoxiden um 50 % verringert. Doch trotz des Rückgangs insbesondere der Blei-, Partikel-, Stickstoffoxid- und Ozonbelastungen in den letzten Jahren gefährden die durch den Verkehr verursachten Luftschadstoffe weiterhin die Umwelt und die menschliche Gesundheit. Insbesondere Dieselrußpartikel erhöhen nachweislich das Lungenkrebsrisiko und die Kombinationswirkungen der verschiedenen Luftschadstoffe werden für die Entwicklung von chronischen Atemwegserkrankungen verantwortlich gemacht. Wenn nichts Grundsätzliches passiert, werden in den nächsten Jahren vor allem die Schadstoffkomponenten Feinstaub und Stickstoffdioxid auch in der Bremer Luft weiter in gesundheitlich kritischen Konzentrationen vorhanden sein.

Foto starker Verkehr

Feinstaub

Feinstaub sind Partikel in der Luft, die nicht von den Schleimhäuten in Nase und Mund zurückgehalten werden, also eingeatmet werden können und so die Atemwege belasten. Hauptkriterium für Feinstaub ist die Größe der Partikel. Als Feinstaub gelten alle Partikel mit einem Durchmesser von 10 Mikrometern oder kleiner.

Der Verkehrssektor gilt mit rund 30% als einer der Hauptverursacher für Feinstaub. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind direkt auf Verbrennung zurückgehende Partikel vor allem aus Dieselmotoren gefährlicher als andere Feinstäube.

Besonders feine (PM 2,5) und ultrafeine (PM 0,1) Partikel können tief in die Lunge eindringen und gleichzeitig andere Organe schädigen. Langzeit- und Spitzenbelastungen durch Feinstaub können eine Vielzahl von negativen Wirkungen auf die Gesundheit haben. Dazu gehören vor allem Atemwegserkrankungen, eingeschränkte Lungenfunktion und chronische Lungenerkrankungen. Hinzu kommen Mittelohrentzündungen und Einschränkungen des Herz-Kreislaufsystems. Das führt zu einer erhöhten Medikamenteneinnahme, häufigeren Krankenhauseinweisungen und verringerter Lebenserwartung. Luftverschmutzung durch Feinstaub verkürzt das Leben jedes Menschen in Europa durchschnittlich um etwa neun Monate.

Zum Schutz der Gesundheit hat die Europäische Union Grenzwerte für Luftschadstoffe vorgegeben. Unglücklicherweise sind die Grenzwerte für Feinstaub (PM10) seit 20 Jahren auf dem gleichen Niveau und heute nicht mehr auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand. Sie sind deutlich zu hoch. Trotzdem werden sogar diese noch oft überschritten. Zwar werden bei Einhaltung dieser Grenzwerte nicht alle negativen Gesundheitseffekte durch Feinstaubbelastung aus der Welt geschaffen, aber es wäre ein erster Schritt zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung.


Stickstoffdioxid

Stickstoffdioxid (NO2) ist ebenfalls ein Hauptbestandteil von Luftverschmutzungen in dicht besiedelten Gebieten und vor allem in der Nähe von Hauptverkehrsstraßen. Der Verursacheranteil des Verkehrs ist höher als bei Feinstaub und beträgt bis zu 70%. In den letzten Jahren haben die NO2-Konzentrationen in vielen Städten in Europa zugenommen. Ursache dafür ist auch hier die steigende Anzahl von  Dieselfahrzeugen. So hat man zwar bei den Dieselfahrzeugen mit Euro 4 und 5 durch Partikelfiltern das Feinstaubproblem deutlich reduziert, aber die Motoren erzeugen durch hohe Verbrennungstemperaturen und den nachgeschalteten Oxidationskatalysator viel NO2, das man hinter einigen Fahrzeugen auch deutlich riechen kann (stechender Geruch). Erst Euro 6-Dieselfahrzeuge stoßen u.a. durch Harnstoffeinspritzung („AdBlue“) deutlich weniger NO2 aus. Auf der Straße aber auch wieder bis zu achtmal mehr als auf dem Prüfstand.

Stickstoffdioxid ist für viele negative Gesundheitseffekte, gerade auch bei Kindern, verantwortlich. Dazu zählen Einschränkungen der Lungenfunktion sowie die Zunahme von Atemwegserkrankungen und allergischen Reaktionen. Auch dies führt zu mehr Krankenhausaufenthalten und einer erhöhten Sterblichkeit. Ähnlich wie bei Feinstaub lässt sich auch bei Stickstoffdioxid kein Schwellenwert nachweisen, bei dem keine negativen Gesundheitseffekte mehr nachweisbar sind.

Wie dick ist die Luft in Bremen?

Foto Luftmessstation Dobbenweg

Die Bremer Luft wird in den letzten Jahren langsam sauberer - dazu trägt auch die Bremer Umweltzone bei! - , aber für eine Entwarnung ist es noch zu früh. Zwar haben mittlerweile viele Diesel-Pkw einen Partikelfilter und stoßen erheblich weniger Partikelmasse aus als früher, aber die besonders gefährlichen feinen und ultrafeinen fast gewichtslosen Partikel sind immer noch problematisch. Extreme Feinstaubschleudern sind übrigens -trotz niedrigem Verbrauch- „moderne“ Benzindirekteinspritzmotoren, die derzeit noch gar keine Partikelfilterung haben und erst 2017 die Werte einhalten müssen, die heute schon für Diesel gelten.

In Bremen schwankten die Feinstaub-Jahresmittelwerte in den letzten Jahren erheblich und sind auch abhängig von den Großwetterlagen: Am Hotspot Dobbenweg liegen sie zwischen 24 und 35 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Bei ungünstigen Wetterlagen im Jahresverlauf besteht bei solchen Jahresmittelwerten auch die Gefahr, dass die erlaubten 35 Überschreitungen des Tagesmittelgrenzwertes erreicht werden. Wie 2011, als es Am Dobben sogar 44 Überschreitungen gab. Die Jahresmittelwerte liegen verkehrsfern bei 16-21µg/m³ Luft, verkehrsnah erwartungsgemäß höher, nämlich bei 23-24 µg/m³ Luft. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Wert von 20µg/m³ Luft. Dieser Wert wird in Bremen also noch fast flächendeckend überschritten. Gemessen wird in Bremen an sieben und in Bremerhaven an zwei Messstellen. Insgesamt vier sind verkehrsnah platziert. Auch wenn der KFZ-Verkehr nur einen Teil zur Feinstaubbelastung beiträgt, so sind es immer verkehrsnahe Messorte, die hoch belastet sind. In den letzten drei Jahren sind die Feinstaubwerte wieder leicht ansteigend.

Beim Reizgas Stickstoffdioxid (N02) sind die Jahresmittelwerte am Dobbenweg von 2011 bis 2012 nur um 1 µg/m³  auf 44µg/m³ gefallen. Sie liegen damit immer noch deutlich über den erlaubten 40 µg/m³, und es ist kein eindeutig sinkender Trend bei den Jahresmittelwerten erkennbar. Die Werte schwankten in den letzten Jahren zwischen 44 und 46 µg/m³. Allerdings waren die Werte früher erheblich höher (2001 bis zu 63 µg/m³).

Die aktuellen Luftwerte für Bremen kann man online abrufen.



  • Direkt zur Online-Spende, Foto: eyewire / fotolia.com
  • Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Die Positionspapiere der BUND Kampagne "Mobilität für Alle!"

Mobilität für Alle! - Statt Vorfahrt für Benzinkutschen


Mobilität für Alle! - Bremens Chancen für eine ökologische Verkehrspolitik und mehr Lebensqualität
Suche