Karte aus der Kritikphase der Zukunftswerkstatt

Hintergrund

Bremen hat sich für die Zukunft ehrgeizige Ziele gesetzt. Mit dem Verkehrsentwicklungsplan 2020/2025 soll der Verkehr in Bremen in umwelt- und menschenverträgliche Bahnen gelenkt werden. Mit dem Klimaschutz- und Energieprogramm (KEP) 2020 hat sich das Land Bremen das Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen bis 2020 um mindistens 40% gegenüber dem Niveau von 1990 zu senken. Und mit dem Innenstadtkonzept: „Bremen Innenstadt 2025“ wird versucht die Bremer City neu zu gestalten. All diese Anstrengungen haben auch den Aspekt der nachhaltigen Entwicklung im Fokus.

Ein zentraler Aspekt im Prozess der Erstellung des Verkehrsentwicklungsplans war die Einbindung der Bevölkerung. Mit Bürgerforen, Onlineumfragen und Regionalausschüssen wurde der Versuch unternommen die Bevölkerung in den Planungsdialog einzubinden und zwischen den verschiedenen Interessen von Politik und Verwaltung einerseits und Nutzern und Betroffenen andererseits zu vermitteln. Auch der BUND war in diesen Prozess intensiv im Rahmen des VEP-Projektbeirates eingebunden. Dabei ist uns aufgefallen, dass - trotz der großen Anstrengungen für mehr Bürgerbeteiligung in Planungsprozessen - die Interessen von Jugendlichen und Schüler/-innen dabei unterrepräsentiert sind oder unter eingeschränkten Gesichtspunkten, wie z.B. der Verkehrssicherheit, betrachtet werden. Dabei befindet sich grade das Mobilitätsparadigma von Jugendlichen im Umbruch. Die Autoschlüssel gehören nicht mehr obligatorisch zu den Geburtstagsgeschenken einer/eines 18 jährigen Städters/-in. Das Smartphone scheint das Auto als Statussymbol zu ersetzen. Das Fahrrad entwickelt sich dagegen zum Lifestyle-Objekt.

Das Projekt

Geleitet von der Frage, wie sich die Jugendlichen von heute die Mobilität von morgen vorstellen entwickelte der BUND das Projekt Zukunftswerkstatt: Bremen mobil. Dazu wurden Kooperationen mit Schulen aus unterschiedlichen Stadtteilen oder unterschiedlicher inhaltlicher Ausrichtung aufgebaut und eine Methode gewählt, die eine Umsetzung in unterschiedlichen Fächern, beispielsweise Politik, Geografie, Soziologie oder WUK (Welt-Umwelt-Kunde) ermöglicht.

Das Ziel war es den Schüler/-innen einen Rahmen zu geben, der es ihnen ermöglicht in gemeinsamen Aushandlungsprozessen und unter Berücksichtigung verschiedener Perspektiven eine Vision ihres Stadtteils aus Sicht von Jugendlichen zu entwickeln, die zugleich lebensfähig und lebenswert ist. Dabei sollten die Jugendlichen zugleich für die mobilitätsbedingten Probleme der Stadt wie Luftverschmutzung und Lärm sensibilisiert und ein Bewusstsein für eine nachhaltige Stadtentwicklung vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Funktionen der Stadt, den verschiedenen Mobilitätsansprüchen der Nutzer sowie Verkehrsbelastung geschaffen werden.

Die Methode

In der Zukunftswerkstatt mit ihren fünf Phasen: Einführung, Kritik, Utopie, Realisierung und Dokumentation. artikulieren und problematisieren die Schülerinnen und Schüler ihre alltägliche Mobilität anhand von Beispielen aus ihrem Stadtteil. Im Prozess werden verschiedene Lösungsansätze bis zur „Umsetzungsreife“ in der Praxis durchgespielt und dokumentiert. Eine besondere Stärke der Zukunftswerkstatt liegt darin, dass Interessen, Wissen und Engagement der Mitwirkenden als Ressourcen für notwendige Veränderungen eingebunden werden. Es werden also konkrete Entscheidungen und Handlungen gemeinschaftlich antizipiert und analysiert. Auch durch die Wahl der Methode Zukunftswerkstatt werden durch das Projekt „Zukunftswerkstatt: Bremen Mobil“ somit die Partizipationsfähigkeit und Problemlösekompetenz der Schüler/-innen gefördert.

Projektergebnisse

Am 12. März 2015 stellten die Schüler/-innen der Oberschule am Leipnizplatz, des Gymnasiums Horn und des Schulzentrums Neustadt ihre Arbeiten aus der Zukunftswerkstatt einem Publikum aus Schülerinnen und SChülern, Politikern und Vertretern der Verwaltung vor. Anwesend waren der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr Herr dr. Lohse, die Verkehrspolitischen Sprecher von B90/Die Grünen, Ralph Saxe, der SPD Wolfgang Jägers, von der Partei Die Linke Miriam Strunge. Als Vertreter für die Verwaltung nahm der für die strategische Verkehrsplanung Zuständige Ulrich Just teil.

Die Ergebnisse der Zukunftswerkstätten

Oberschule am Leibnizplatz

Die Schülerinnen und Schüler der 9c beschäftigten sich mit der mangelnden Beleuchtung in Parks und den daraus entstehenden Problemen für die Verkehrssicherheit und der Wahrnehmung als Angstraum durch die Bevölkerung. In ihrem innovativen Ansatz orientierten sich die Schülerinnen und Schüler an der Natur, genauer gesagt an Glühwürmchen und entwickelten daraus ihr Konzept für "Glow Lights". Diese High Tech Glühwürmchen verbringen den Tag in einer Ladestation in der sie mit Solarstrom "betankt" werden und werden erst nach dem Einbruch der Dunkelheit aktiv. Bewegunssensoren erkennen Fußgänger und Radfahrer im Park und schicken die Glow Lights aus, die diesen folgen und deren Weg Beleuchten. Die Glow Lights verfügen über eine Spracherkennung zur Steuerung, etwa zur Änderung der Farbe.

Die vollständige Präsentation der 9c gibt es hier als PDF.

Gymnasium Horn

Der Wahlpflichtkurs Ökonomie der 9. Klassen des Gymnasiums Horn machte sich Gedanken zur Verbesserung der Verkehrssituation für alle Verkehrsteilnehmer für den Kreisverkehr Am Stern. Bei ihrer Recherche stießen die Schülerinnen und Schüler auf ein Vorbild in den Niederlanden, einen Ring für Fahrradfahrer und Gußgänger über einen viel befahrenen Kreuzung, den Hovenring in Eindhoven. Mit diesem funktionierenden Vorbild im Hinterkopf untersuchten dessen Umsetzung für Bremen Am Stern.

Die vollständige Präsentation des Wahlpflichtkurs Ökonomie der 9. Klassen des Gymnasiums Horn gibt es hier als PDF.

Schulzentrum Neustadt

Die Klasse E1A mit der Fachrichtung Erzieherinnen und Erzieher beschäftigte sich mit der Mobilität von Kindern und Jugendlichen. Anstoß nahmen sie dabei an der Verkerhssicherheit vor Schulen. Am Beispiel der Schule an der Karl-Lerbs-Straße erarbeiteten Sie Vorschläge zur Verbesserung der Schulwege von Schülerinnen und Schülern. Ihre Forderungen: Eine verstärkte Verkehrsberuhigung durch Zebrastreifen und Straßenschwellen in der Nähe von Schulen, weiträumige Park und Halteverbote im Umfeld von Schulen und gut sichtbare Park- und Halteverbotsschilder sowie eine strengere Überwachung durch die Polizei und schärfere Sanktionen bei Nichteinhalten der Verkehrsregeln. Ein wichtiger Faktor sahen sie die Elternarbeit im Sinne einer Aufklärung, denn eine eigenständige Mobilität von Kindern und Jugendlichen ist wichtig für deren Entwicklung.

Die Präsentation (ohne Videos) der Klasse E1A gibt es hier als PDF.

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