AKW Unterweser: BUND fordert mehr Strahlenschutz

Der Betreiber hat den Rückbau des AKW Unterweser beantragt. Wo der freigemessene, strahlende Bauschutt gelagert wird, bleibt unklar.

Vor der zu erwartenden Genehmigung für den Rückbau des Atomkraftwerks (AKW) Unterweser betont die BUND-Regionalgeschäftsstelle Weser-Elbe, dass aus Umweltsicht noch einige Fragen offen wären. Zum einen sieht der BUND die Einlagerung von eigenen, aber vor allem von fremden radioaktiven Abfällen auf dem Gelände des AKW sehr kritisch. Denn weder das AKW noch das Zwischenlager seien vor Unfällen durch Flugzeuge, Terrorüberfällen und Hochwasser durch extreme Sturmfluten ausreichend geschützt. Darüber hinaus fehlt eine verbindliche Festlegung der Laufzeit für das Zwischenlager. Zum anderen sei der Verbleib insbesondere auch der schwach radioaktiven Abfälle, die innerhalb der Genzen der so genannten Freimessung (< 10 μSv) liegen, noch ungeklärt, so der Umweltverband. Er befürchtet die unkontrollierte, bundesweite Weiterverbreitung dieser Abfälle.

„Mit der so genannten Freimessung wird dieses Material wieder als Wertstoff erklärt, so dass es nicht nur auf Müll- oder Bauschuttdeponien gelagert, sondern auch wieder im Straßenbau oder gar im Haushalt verwendet werden darf“, warnt Bernd Quellmalz, BUND-Regionalgeschäftsführer Weser-Elbe. „Die Weiterverbreitung dieser Abfälle erfolgt anschließend also unkontrolliert. Dies ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel.“ Denn damit drohe eine zusätzliche gesundheitliche Belastung. Denn die Annahme, die geplante Freimessung und Freigabe radioaktiv belasteter Stoffe ab einem Wert von 10 μSv sei gesundheits- und umweltverträglich, ist wissenschaftlich nicht haltbar. „Es gibt keine untere Schwelle hinsichtlich der Gefährlichkeit ionisierender Strahlung“, so Quellmalz. „Wir sprechen uns daher strikt gegen die Freimessung und anschließende Freigabe radioaktiver Stoffe aus.“ Vielmehr müsse das Gebot der Strahlungsminimierung bei der Abwicklung der AKW unbedingt berücksichtigt werden. Der BUND fordert, Alternativen zum Rückbau des AKW Unterweser zu prüfen. Hierzu gehören der sichere Einschluss, der zeitweise Erhalt des Reaktorgebäudes, bis kurzlebige Radionuklide abgeklungen sind, oder der vollständige Rückbau mit Einlagerung gering strahlender Materialien in einem Bunker auf dem Gelände. Eine derartige Alternativenprüfung habe nach Kenntnis des BUND wohl nicht stattgefunden.

Sandgrube am Weißenberg in Hagen-Driftsethe: Wird hier zukünftig strahlender Bauschutt aus dem Rückbau des Atomkraftwerks Unterweser eingelagert?

Während der Rückbau des AKW Unterweser auf seine Genehmigung wartet, plant aktuell ein privater Investor in Driftsethe in der Gemeinde Hagen im Bremischen, in einer ehemaligen Sandabbaustätte die Errichtung einer Bauschuttdeponie der Klasse I (niedriger Schadstoffgehalt), inklusive einer optionalen Erweiterung auf Deponieklasse II/III (höhere Schadstoffbelastungen). BUND-Mann Quellmalz befürchtet hier die Einlagerung des freigemessenen, aber immer noch strahlenden Bauschutts aus dem AKW Unterweser. Mit dem beschlossenen Atomausstieg 2011 ist die Entsorgungsfrage auch in Niedersachsen immer drängender geworden. Derzeit ist keine Deponie bereit, diese Abfälle anzunehmen. Niedersachsen änderte daraufhin sein Landesraumordnungsprogramms (LROP). Dieses geht nun von einem Deponiebedarf im Radius von 35 km rund um den Ort des Abfallaufkommens aus. Orte des Abfallaufkommens bzw. der Abfalllagerung werden dabei zwar nicht definiert, aber im Falle des Abfallaufkommens am AKW Unterweser kämen demnach die bestehenden Deponien Brake-Käseburg, Grauer Wall oder eben die geplante Deponie in Driftsethe in Frage. "Unstrittig ist der Bedarf an neuen Deponien in Niedersachsen. Daher fordern wir ein landesweites Konzept, in dem geeignete Deponiestandorte für die unterschiedlichen Schadstoffklassen festgelegt sind", so Quellmalz. „Absolut inakzeptabel ist aber die Einlagerung von freigemessenen Abfällen auf Bauschuttdeponien, denn strahlender Bauschutt darf ein AKW gar nicht erst verlassen.“ Dementsprechend gäbe es auch gar kein Bedarf und schon gar nicht ein öffentliches Interesse an einer neuen Bauschuttdeponie in Hagen-Driftsethe. „Der Antrag auf Errichtung einer Bauschuttdeponie in Hagen-Driftsethe muss daher durch die Genehmigungsbehörde unbedingt abgelehnt werden“, fordert der BUND-Regionalgeschäftsführer Weser-Elbe.

Mehr dazu lesen Sie in der BUND-Position (Stand 19. Juli 2017).

Schulerweiterung ohne Waldzerstörung!

BUND Unterweser kritisiert geplante Waldrodung im Zuge einer Schulerweiterung in der Stadt Geestland

Der BUND Unterweser lehnt die geplante Rodung von Teilen des Waldes „Friedrichsruh“ zwischen der Debstedter Straße und dem Baumackerweg in der Stadt Geestland im Zuge der Erweiterung des Gymnasiums Langen strikt ab. Dabei gingen mindestens 5.000 qm Wald mit altem Baumbestand verloren, so der Umweltverband. In einem Schreiben hat der BUND jetzt an den Bürgermeister der Stadt Geestland, Thorsten Krüger, appelliert, sich für den dauerhaften Erhalt des schützenswerten Waldes einzusetzen und das Gymnasium ohne Waldzerstörung zu erweitern.

„Für uns ist das geplante Vorhaben nicht nachvollziehbar, wenngleich auch wir davon ausgehen, dass der Bedarf an neuen Schulräumen steigen dürfte“, sagt Winfried Gusky, Vorstandsmitglied vom BUND-Regionalverband Unterweser e.V.. Auf einer Fläche von 5.000 qm soll für eine Schulerweiterung eine Vielzahl von Bäumen gefällt werden. Bei einer Baugrund-Erschließung über die Debstedter Straße würde sich die Beeinträchtigung für den Wald nochmals vergrößern. „Alles in allem droht eine Zerstörung und Beeinträchtigung einer Waldfläche in der Größe eines Fußballfeldes. Das ist nicht akzeptabel, zumal es nach Prüfung der öffentlich zugänglichen Sitzungsprotokolle durchaus auch wirtschaftlich akzeptable Alternativen gibt, die nicht zu Lasten des Waldes gehen“, ist Gusky überzeugt. Beispielsweise ist in den Protokollen eine Variante genannt, nach der auf dem vorhandenen Gelände ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes und energietechnisch zukunftsweisendes Gebäude errichtet werden könnte. Gusky: „Bei Ausrichtung auf den Passivhaus-Standard wären die höheren Baukosten auf dem vorhandenen Gelände durch den wirtschaftlicheren Betrieb in den Folgejahren mehr als ausgeglichen. Gleichzeitig hätte ein solches Gebäude angesichts der Folgen des Klimawandels eine hervorragende Vorbildfunktion für die Zukunftsbildung der Schüler.“

Der Wald „Friedrichsruh“ wurde im Sinne des Gemeinwohls von dem Bremerhavener Stadtdirektor Adolf Hagemann 1908 auch zum Schutz der Wasserversorgung angelegt (s. Link Georg Besell unten). In nun über 100 Jahren entwickelte sich die Anlage mit einem besonderen Altbaumbestand aus Rotbuchen, Eichen und einigen Ahörnern zu dem heute unter besonderen Schutzaspekten zu betrachtenden Wald. Aus Naturschutzgründen sind die dort befindlichen Bäume und andere Pflanzen in ihrem Zusammenspiel besonders wertvoll, insbesondere hinsichtlich Arten und Alter. Diese alten vitalen Bäume bilden einen besonderen Genpool. „Die dort lebende Tierwelt braucht diesen Lebensraum gerade im stadtnahen Bereich“, betont Gusky. „Hier leben Fledermäuse, Vögel, Insekten und Kleinsäuger, die zum Teil geschützt sind. Mit jedem Verlust an Waldfläche, geht für Mensch und Natur ein Stück Lebensqualität verloren. Dies schließt nach unserer Auffassung eine Bebauung dieser Waldfläche dauerhaft aus.“ Das besondere öffentliche und naturschutzfachliche Interesse am Erhalt dieses Waldes sei höher zu bewerten, als das Interesse, eine Schulerweiterung genau an dieser Stelle durchzusetzen. Denn der Wald habe nur einen Standort. Für die Schulerweiterung gäbe es aber umsetzbare und wirtschaftlichere Alternativen an anderer Stelle außerhalb des Waldes. Der BUND fordert daher Bürgermeister Krüger auf, im Sinne der Nachhaltigkeit zu handeln und den Wald „Friedrichsruh“ zu erhalten.

Weiterführende Links

  • Pressemitteilung des BUND Bremen vom 12. Juni 2017 "Stadtgrün durch Wohnungsbau bedroht? - Konflikt zwischen Stadtgrün und Wohnbauflächen entschärfen". Mehr...
  • Georg Besell, „Die ersten Hundert Jahre Bremerhavens“ von 1926 bis 1927, Seite 564. Mehr...

Zu viel Gülle auf Feldern und Wiesen im Landkreis Cuxhaven

Im Landkreis Cuxhaven werden im Jahr rund 1.347 Tonnen zuviel Stickstoff auf Felder und Wiesen ausgebracht. Das belastet Tiere und Pflanzen sowie das Grundwasser. Quelle: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de

Bremerhaven/Cuxhaven, 1. Februar 2017. Anlässlich des Endes der Sperrfrist für das Ausbringen von Gülle und Gärresten auf Grünland Ende Januar weisen jetzt die BUND-Kreisgruppe Cuxhaven und der BUND-Regionalverband Unterweser auf die zunehmende Gefährdung der Gewässer, der Gewässerlebensräume und des Grundwassers im Landkreis Cuxhaven durch das Übermaß beim Ausbringen von Wirtschaftsdünger hin. Flüsse und Seen, Bäche und Gräben sowie die Gewässerrandstreifen seien mit Gülle zu verschonen, fordern die BUND-Gruppen.

 „Auch in der Nordsee haben die Belastungen wegen der Nährstofffrachten aus der intensiven Landwirtschaft zugenommen. Hier muss endlich ein Umdenken einsetzen. Von einem guten ökologischen Zustand seien die meisten unserer Gewässer weit entfernt“, erklärt Winfried Gusky vom BUND Unterweser. Bernd Quellmalz, BUND-Regionalgeschäftsführer Weser-Elbe ergänzt: „Mittlerweile ist es amtlich, wie sehr unsere Gewässer und das Grundwasser in Niedersachsen schon belastet sind.“ Die Bundesregierung bestätigte im letzten Jahr, dass sich in Niedersachsen 44 von 90 Grundwasserkörpern (49 %) in einem schlechten, chemischen Zustand befände. Die Situation bei Oberflächengewässern wie Flüsse und Seen sei nicht anders: 27 % von ihnen werden als mäßig, 44 % als unbefriedigend und 24 % sogar als schlecht eingestuft. „Dabei ist aber festzuhalten, dass nicht der Wirtschaftsdünger als solcher der Verursacher für die schlechten Zustände ist“, betont Gusky. So sei beispielsweise in der ökologischen Landwirtschaft ein maßvoller Einsatz gerade von Dung und Mist im Rahmen der Kreislaufwirtschaft nötig, um Mineraldünger zu ersetzen. Gusky: „Allein das Übermaß an Gülle führt zur Gewässerverschmutzung. Dies ist eine unmittelbare Folge der Riesenställe in Zusammenhang mit der Fütterung von importiertem Kraftfutter, der intensiv genutzten Monokulturen und des Ausbringens von zu viel Dünger.“

In Niedersachsen werden von der Landwirtschaft jährlich rund 80.000 Tonnen Stickstoff (N) und etwa 30.000 Tonnen Phosphat zu viel in Böden und damit auch in Gewässer eingebracht. Im Landkreis Cuxhaven wäre laut dem aktuellen Nährstoffbericht eine Minderung der Stickstoffmenge um 1.374 Tonnen erforderlich, um die Nitratkonzentration im Sickerwasser zumindest unter 50 mg/l halten zu können. „Das ist ein alarmierender Zustand. Die Nährstoffüberschüsse reichern sich im Boden und Grundwasser an und haben damit negative Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und auch auf uns Menschen“, sagt Winfried Gusky. „Nur wenige Pflanzen können die hohen Güllefrachten vertragen. Es werden Monokulturen gefördert, die Artenvielfalt schwindet und die Klimakrise verschärft sich. Außerdem drohen die Einträge von Gülle und Gärresten aus Biogasanlagen als Wirtschaftsdünger sowie die zusätzlichen Einträge von chemischen Düngemitteln und Pestiziden das Grundwasser in der ganzen Region zu vergiften.“

Die Europäische Union bemängelt diesen Zustand schon seit langem: „Trotz der weiter hohen Nitratbelastung hat Deutschland keine strengeren Gegenmaßnahmen ergriffen. Dazu ist das Land laut geltendem EU-Recht jedoch verpflichtet. Die von der Bundesrepublik zuletzt im Jahr 2012 übermittelten Zahlen sowie mehrere Berichte deutscher Behörden aus jüngster Zeit zeigen eine wachsende Nitratverunreinigung des Grundwassers und der Oberflächengewässer, einschließlich der Ostsee“. Der BUND Cuxhaven und der BUND Unterweser fordern daher eine sozial gerechte und ökologische Agrarpolitik. „Dafür brauchen wir eine Agrarwende weg von der industrialisierten  Landwirtschaft hin zu einer vielfältigen ökologischeren Landwirtschaft“, so Bernd Quellmalz. „Damit würden auch die Flüsse und Seen und das Grundwasser geschützt.“ Hierzu müssten seiner Ansicht nach die Agrarsubventionen von der industriell geprägten auf die ökologische, vielfältige Landwirtschaft umgelenkt werden. Die Düngeverordnung müsse dahingehend überarbeitet werden, dass die Hoftorbilanz darin aufgenommen und auch die Nährstoffzufuhren über hoffremdes Kraftfutter berücksichtigt werden. Außerdem sei ein Plan zur Verhinderung von Gülleunfällen, die die Gewässer lokal stark beeinträchtigen, dringend erforderlich. Winfried Gusky weist schließlich darauf hin, dass vor kurzem selbst der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband eine Offensive für mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft gestartet und einen anderen Umgang beim Einsatz von Wirtschafts- und Mineraldünger gefordert hat. Es sollten Initiativen zur Vermeidung von Dünge-Einträgen in Gewässer begonnen werden, und die Gewässerentwicklung im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie sei voranzubringen, so der Landwirtschaftsverband.

Zum Nachlesen

Neue Handy-Sammelstellen in Cuxhaven, Hemmoor und Schiffdorf

Der BUND sammelt ab sofort auch in der Stadt Cuxhaven sowie in der Samtgemeinde Hemmoor und in der Gemeinde Schiffdorf gebrauchte Mobiltelefone, um diese anschließend umweltgerecht recyceln zu lassen. Dadurch sollen die in den Handys enthaltenen Rohstoffe wiedergewonnen werden. Betreut werden die Sammelstellen von der BUND-Kreisgruppe Cuxhaven bzw. dem BUND-Regionalverband Unterweser. Alle Handy-Sammelstellen in der Region Weser-Elbe gibt es hier...

BUND-Protest gegen Autobahn A20

Der BUND begrüßt, dass am 2. Mai eine Podiumsdiskussion zu der geplanten A20 in Loxstedt-Stotel unter Einbezug der Kritiker stattfindet und diese damit Gelegenheit zur Darstellung der kritischen Positionen haben. Anlässlich dieser Veranstaltung bekräftigt der BUND seine Kritik an der Planung zur A20, aber auch an den vielen naturzerstörenden Straßenbauprojekten des Bundesverkehrswegeplanes. Insbesondere bemängelt der Umweltverband die fehlende Prüfung der vorgeschlagenen umweltschonenden und kostengünstigen Alternativen zur A20. Mehr...



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Regionalgeschäftsführer

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0176 / 51 63 80 85
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