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BUND Landesverband Bremen

Kleinere Spielflächen, ohne Grün?

12. November 2019 | BUND, Kinder und Jugend, Kinderwildnis, Stadtnatur

BUND nimmt Stellung zum neuen Kinderspielflächenortsgesetz

Spielwiese und Kletterbäume  (BUND Bremen)

Naturerfahrungs-, Spiel- und Freiräume für Kinder und Jugendliche sind unverzichtbare Bausteine einer kinderfreundlichen, lebenswerten Stadt. Wohnungsbau muss einhergehen mit einer Stadtplanung, die diese Räume mitdenkt, denn gerade in dicht bebauten Stadtteilen sind Spielflächen und Freiräume rar. Eine Stadt braucht Räume, in denen Kinder sich gefahrlos bewegen und ausleben können. Attraktive (Natur-)Spielräume wirken gesundheitsfördernd, da sie beispielsweise Bewegungsmangel, Übergewicht und sozialer Isolation entgegenwirken. Die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen für Spielflächen müssen in der Stadt- und der Bauleitplanung verbindliche Berücksichtigung finden.

Beim Bau von Mehrfamilienhäusern sind die Bauträger verpflichtet, einen hausnahen Spielplatz anzulegen. In Bremen wird das im Kinderspielflächenortsgesetz (KSpOG) geregelt, das derzeit überarbeitet wird. Der BUND begrüßt grundsätzlich die Erneuerung und Modernisierung des Kinderspielflächenortsgesetzes, das noch aus dem Jahr 1973 stammt. Die Novellierung ist in vielen Punkten gelungen. Es gibt allerdings Punkte, in denen dringend nachgebessert werden muss und die eine deutliche Verschlechterung bedeuten. Kritisch sind vor allem die Reduzierung der Größe von Spielflächen sowie die Vorgaben zur Qualität der anzulegenden Flächen.

Größe und Lage der Spielflächen

So sieht der neue Gesetzesentwurf vor, die vorgeschriebene Mindestgröße der Spielflächen bei der Anlage kleinerer Wohnungen im Vergleich zur bisherigen Regelung erheblich zu verkleinern. Außerdem besteht für Wohnungen von unter 40 qm keine Pflicht mehr Spielflächen einzurichten. Das ist nicht hinnehmbar, denn diese Wohnungen sind mitnichten nur Singlewohnungen, sondern werden auch von Alleinerziehenden (also mit Kind oder sogar Kindern) bewohnt. Diese Änderung benachteiligt Menschen mit geringem Einkommen deutlich. Weiterhin werden nach der novellierten Fassung des Ortsgesetzes deutlich weniger und kleinere Spielflächen entstehen:
Vorgeschriebene Spielplatzgröße 1973: 5 m² je Wohnung bei unter 40 m² Wohnfläche und 10 m² je Wohnung bei über 40 m² Wohnfläche.
Vorgeschriebene Spielplatzgröße 2019: keine Spielfläche bei unter 40 m² Wohnfläche, 5 m² je Wohnung bei 40-70 m² Wohnfläche und 10 m² je Wohnung bei über 70 m² Wohnfläche.

Die Größen der zu schaffenden Spielflächen sind damit halbiert worden. Auch diese Änderung benachteiligt vor allem Familien mit geringem bis mittleren Einkommen.
Diese Reduzierung der vorgeschriebenen Flächen führt nicht nur zu einer Verminderung von Spielraum in der Stadt, sondern auch im Falle einer Ablösung zu einer Halbierung der Einnahmen für Bremen. Diese Änderung bedeutet eine deutliche Verschlechterung gegenüber der Fassung von 1973.

Wir fordern die Änderungen zurückzunehmen und mindestens die Regelung von 1973 beizubehalten.

Qualität und Ausstattung

Eine zukunftsgerichtete Stadtplanung muss naturnahe Flächen mitdenken. Denn naturnahe Spielflächen sind multifunktional. Sie fördern Bewegung und Gesundheit der Kinder bzw. aller Menschen in der Stadt, bewirken Stressabbau, verbessern aber auch das Stadtklima (wirken gegen Überhitzung), dienen als Versickerungsflächen und entschärfen damit Starkregenereignisse. Die naturnahe Gestaltung bewirkt eine große Verbesserung der Lebensverhältnisse in einer Stadt.

In der Neufassung des Bremer Kinderspielflächenortsgesetzes taucht Natur im weitesten Sinne an nur einer (!) Stelle auf: „Kinderspielflächen sollen […] innerhalb der zu begrünenden nicht überbauten Grundstücksfläche angelegt werden“. Dies entspricht in keinster Weise den Bedarfen. Es braucht (Kletter-) Bäume, (Naschobst)-Sträucher, Wiesen und bewegliches Naturmaterial, wie Stöcke. Gestaltend führen auch Hügel und Gräben zu einer deutlich höheren Qualität.

Der BUND fordert, dass Spielflächen (auch die, die im Rahmen des Ortsgesetzes eingerichtet werden) Naturerlebnisse ermöglichen müssen. Es muss eine Pflicht für naturnahe Spielelemente bzw. naturnah gestalteten Spielraum geben.

Der BUND fordert außerdem die Aufnahme eines fünften Bereiches („Bereich für spielerische Naturerlebnisse“) sowie die Formulierung von Mindestanforderungen an Qualität, die über die Anzahl an Spielgeräten hinausgeht. So muss vorgeschrieben werden, dass z.B. mindestens drei der fünf im Ortsgesetz (§ 4 Absatz 2) genannten Bereiche umgesetzt werden müssen.

Bericht des Weser Kurier

Vollständige Stellungnahme des BUND

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