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BUND Landesverband Bremen

Jungvögel am Boden nicht immer in Not

18. Mai 2018 | Stadtnatur

BUND-Appell: Jungvögel auf jeden Fall in der freien Natur belassen!

 (pixabay.com)

Der BUND Bremen bittet jetzt besorgte Bürgerinnen und Bürger, vermeintlich hilflosen Vogelnachwuchs auf jeden Fall in der freien Natur zu belassen. Nur in den seltensten Fällen handelt es sich bei gefundenen Vogelkindern am Boden um verlassene, verletzte oder geschwächte Tiere, die dringend menschliche Hilfe benötigen. Vielmehr würden sie weiterhin von ihren Eltern gefüttert und umsorgt, so der Umweltverband. Eine „Entnahme“ wäre nach dem Naturschutzgesetz sogar verboten.

„Einige Vogelarten verlassen bereits ihr Nest noch bevor sie richtig fliegen können“, erläutert Dr. Georg Wietschorke vom BUND Bremen. „Diese unerfahrenen Vogeljungen wirken auf den ersten Blick zwar hilflos. Aber sie aufzunehmen ist ein Fehler und hat mit Tierliebe nur wenig zu tun. Denn Vögel sind in erster Linie Wildtiere, die ihren Platz in der Natur haben.“ Wer also einen Jungvogel findet, solle ihn auf jeden Fall dort belassen, wo er ist. Über Bettelrufe verständigen sie sich mit ihren Eltern. „Greifen wir in diese sensible Phase ein, wird die Bindung zwischen Alt- und Jungvogel unterbrochen“, so der Biologe. „Allerdings fallen sie jetzt nicht selten natürlichen Feinden zum Opfer. Doch dies ist ein natürlicher Regulationsmechanismus, an den die Vögel angepasst sind und der ein Überhandnehmen der Art verhindert.“ In der Zeit der Jungenaufzucht sollten Hauskatzen aber auf jeden Fall im Haus gehalten werden, um die nur halbflüggen Jungvögel nicht noch zusätzlich unnötig zu gefährden. Typische Nestflüchter sind zum Beispiel Enten, Fasane oder Wiesenvögel wie Kiebitz, Uferschnepfe oder Brachvogel. Sie sind sofort auf sich gestellt, versorgen sich selbst und werden nicht gefüttert.

Im Siedlungsbereich fallen zumeist die bräunlich gefleckten Jungamseln auf, die etwa eine Woche vor dem Flüggewerden der drangvollen Enge des Nestes entfliehen. „Sie flattern unbeholfen umher“, beschreibt Wietschorke. „Aber ihre Eltern sind ganz in der Nähe und kümmern sich um sie.“ Auch junge Greifvögel und Eulen durchlaufen ein so genanntes „Ästlingsstadium“, in dem sie noch im Dunenkleid im Geäst umherturnen. Auch sie werden im Normalfall von ihren Eltern betreut.

„Hilfe für die Jungvögel ist erst notwendig, wenn nach einer Beobachtung über zwei bis drei Stunden aus angemessener Entfernung feststeht, dass es sich wirklich um einen verlassenen, kranken oder verletzten Vogel handelt“, so der Biologe weiter. „Die Aufzucht von Jungvögeln gehört aber auf jeden Fall in die Hände von Fachleuten. Verletzte und kranke Jungvögel sollten am besten in einer Tierarztpraxis vorgestellt werden, die Wildtiere kostenlos behandelt.“ Diese könnten unter Umständen auch Tipps für die Aufzucht geben und Kontakte zu Fachleuten vermitteln. Sollten aber tatsächlich einmal Küken aus einem Nest gefallen sein, kann man sie ohne Gefahr für diese in die Hand nehmen und zurücksetzen, denn anders als bei vielen Säugetieren wie z.B. Feldhasen oder Rehen stören sich die Altvögel nicht am menschlichen Geruch.

Bei Rückfragen: Dr. Georg Wietschorke, BUND Bremen, Tel.: 0421 79 00 222

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