Netz eines Fischereiboots

Gefangen - Geschichten von beiden Seiten des Netzes

Die industrielle Fischerei und ihre Folgen sind für die meisten Menschen unsichtbar – doch häufig hinterlässt der Fisch auf unserem Teller eine Spur der Zerstörung im Meer. Der BUND Bremen und die Fotografin Julia Ochs schaffen mit ihrer gemeinsamen Ausstellung Transparenz auf dem Bremer Domshof und bringen Besucher*innen in einen Dialog über die Zukunft der Fischerei. [Foto: Julia Ochs]

"Gefangen" auf dem Bremer Domshof

"Gefangen" auf dem Bremer Domshof

Die Kunstausstellung “Gefangen – Geschichten von beiden Seiten des Netzes” macht den Konflikt zwischen Meeresschutz und Fischerei auf dem Bremer Domshof sichtbar. Die großformatigen Werke der Fotografin Julia Ochs stellen die zerbrechliche Schönheit des Meeres und seiner Lebewesen der Ausbeutung durch die Fischerei gegenüber. 

Die Fotografin begleitete Fischer*innen  auf See und erlebte die Auswirkungen dieser Arbeit auf Mensch und Meer hautnah. Der BUND engagiert sich für gesunde Meere und eine Gesellschaft, die ihre Vielfalt schätzt und schützt. Dazu gehören auch ein gerechter Wandel der Fischerei sowie wirksame Meeresschutzgebiete.

Der BUND und die Fotografin stellen Besucher*innen mit dieser Ausstellung vor die Frage, welche Zukunft sie sich für den Schutz der Meere und den Erhalt der Fischerei wünschen. 

Der Film zur Ausstellung

Der Film

Grundschleppnetze und ihre Folgen

Grundschleppnetze und ihre Folgen

Gefangen im Netz Gefangen im Netz - die Kunstausstellung zeigt die Perspektiven auf beiden Seiten des Netzes.  (Julia Ochs / Julia Ochs)

Die Grundschleppnetzfischerei zählt zu den zerstörerischsten Fischereimethoden der Welt. Tonnenschwere Netze mit einer Länge von bis zu 500 Metern werden von großen Schiffen über den Meeresboden gezogen und verwüsten dabei ganze Lebensräume und Lebensgemeinschaften. Gleichzeitig heizen sie mit diesem Prozess die Klimakrise an: Die über den Boden schleifenden Netze wirbeln Sedimente auf, in denen Kohlenstoff gespeichert ist, welcher so wieder in die Atmosphäre gelangt. Selbst in vielen deutschen Meeresschutzgebieten ist diese Fischereimethode noch erlaubt. 
An Bord der Fischerboote hört das Leid nicht auf: In den Grundschleppnetzen können bis zu 90 Prozent des Fanges Beifang sein. Unzählige Meerestiere werden an Bord gezogen, obwohl sie auf Grund ihrer Art oder auch Größe nicht vermarktet werden können. Dazu gehören zum Beispiel kleine Haie, Rochen, aber auch Seesterne und Tiefseekorallen. Viele dieser Tiere werden ungenutzt wieder ins Meer geworfen und überleben diesen Stress nur selten.

Auf der anderen Seite des Netzes

Zu den Gefangenen zählen jedoch auch die Fischer*innen auf der anderen Seite des Netzes. Schlechte Arbeitsbedingungen und Existenzängste stehen in ihrem Beruf an der Tagesordnung. Viele von Ihnen führen diese Arbeit seit mehreren Generationen fort. Vielfältige Krisen wie die zunehmend artenarmen Meere belasten zusätzlich. Während sich die Meere stärker als jemals zuvor wandeln, bleibt die Fischerei stehen – und die Politik schaut zu. Noch mangelt es an politischer Unterstützung für eine Transformation auf umweltschonende und nachhaltige Fangmethoden und Vermarktungsstrategien. 

Meeresschutzgebiete: Nur auf dem Papier?

Petitionsübergabe in Berlin Petitionsübergabe in Berlin - zum Schutz des bedeutenden Lebensraumes Doggerbank  (Jörg Farys / Die Projektoren)

Auch in der deutschen Nord- und Ostsee wird mit Grundschleppnetzen gefischt. In vielen Meeresschutzgebieten ist diese zerstörerische Fangmethode trotz Schutzstatus weiterhin erlaubt.


Meeresschutzgebiete sind Rückzugsräume für wertvolle Lebensräume und Arten. Etwa 45 Prozent der deutschen Meeresfläche steht wegen ihrer besonderen Artenvielfalt unter Schutz. Leider existiert dieser Schutz oftmals nur auf dem Papier. In vielen Gebieten darf weiter mit Grundschleppnetzen gefischt werden – darunter auch auf der Doggerbank.

Die Doggerbank ist die größte Sandbank in der Nordsee und seit 2017 ein Meeresschutzgebiet. Dort sollen der besondere Lebensraum und zahlreiche Tierarten unter Wasser geschützt werden. Doch auf der Hälfte der Schutzgebietsfläche ist die Grundschleppnetzfischerei immer noch erlaubt.
 

Seit September 2024 klagt der BUND gegen die Bundesregierung. Ziel ist ein wirksamer Schutz der deutschen Meeresschutzgebiete. Das Verfahren läuft noch. Im vergangenen Jahr sammelten wir mit unserer Doggerbank-Petition deutschlandweit mehr als 72.000 Stimmen für den Schutz dieses bedeutenden Lebensraumes.

 

Was du für gesunde Meere tun kannst

Tipps für gesündere Meere

  • Reduziere Deinen Fischkonsum, teste pflanzliche Nahrungsmittel wie Algen aus dem Meer und probiere Veggie-Fisch-Alternativen
  • Informiere Dich über die Herkunft und Fangmethode von Fischprodukten, um zerstörerische Fangmethoden wie Grundschleppnetze auszuschließen.  
  • Fordere von der Politik den wirksamen Schutz der Meeresschutzgebiete und eine sozialökologische Transformation der Fischerei.
  • Spende  für den Meeresschutz

     

Förderangabe

Die Kunstinstallation des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. in Zusammenarbeit mit der Fotografin Julia Ochs wird gefördert von der Deutschen Postcode Lotterie und der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft Bremen.
 

Logos der Förderer

Ocean Gallery Logo Die Ocean Gallery von Julia Ochs  (Julia Ochs / Ocean Gallery)

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