Das Zugverhalten ist auch von den jeweiligen Vögeln und ihrem Nahrungsangebot abhängig.
(BUND Bremen
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BUND Bremen)
Zunächst einmal gilt es die Vögel zu unterscheiden in Kurz- und Langstreckenzieher, so erläutert es Landschaftsökologe und Ornithologe Robin Maares aus dem WiKo-Team.
„Kurzstreckenzieher sind die Vogelarten, die in der Regel Süd- und Westeuropa zur Überwinterung nutzen und natürlich auch nicht so lange brauchen, um dorthin zu kommen. Sie verlassen die Brutgebiete oft erst im Herbst, manchmal aber auch schon zeitig nach der Brutsaison im Sommer. Gegen Ende des Winters kehren sie in die Brutgebiete zurück. “, fasst Maares die Bezeichnung zusammen. Das betrifft etwa die norddeutschen Kiebitze, deren Population Richtung Niederlande, Frankreich und Großbritannien aufbricht. Wie weit, hängt dabei oftmals von der Witterung und den vorherrschenden Nahrungsbedingungen ab.
„Langstreckenzieher sind im Prinzip die Vogelarten, die eine weite Strecke zurücklegen, also bei uns früh die Brutgebiete verlassen, meistens im Sommer“, führt der Landschaftsökologe weiter aus. „Sie fliegen über das Mittelmeer und die Sahara hinweg, um in Zentralafrika oder Südafrika zu überwintern. Dementsprechend brauchen sie auch lange, um wieder zurückzukommen und erscheinen erst spät im Laufe des Frühlings in den Brutgebieten.“ Dieses Zugverhalten kennt Robin Maares als Wachtelkönig-Experte der Stiftung Nordwest Natur besonders gut. Seine Schützlinge überwintern südlich des Äquators und beginnen erst im Sommer mit der Aufzucht ihrer Jungen in den Brutgebieten.
Letztendlich sind die Zugwege aber auch angepasst an die Nahrungsverfügbarkeiten der jeweiligen Vögel, weshalb sich das Zugverhalten von manchen Arten dadurch ändern kann, dass der Mensch die Landschaft (und das Nahrungsangebot) verändert. „Für manche Vogelarten ist es nicht mehr zwingend notwendig weit zu ziehen – sie können auch hier im Winter genügend Nahrung finden“, so Robin Maares. Gerade in den Flächen, die sehr intensiv landwirtschaftlich genutzt sind, fällt oft viel Nahrung ab. „Wir Menschen haben im Prinzip eine Hochleistungslandschaft erzeugt, in der Nahrung stets verfügbar ist. Kraniche finden zum Beispiel im Winterhalbjahr auf den abgeernteten Äckern Maisschrot zum Fressen.“ Auch Kiebitze können in milden Wintern noch in den meist wassergesättigten Flächen und Böden Nahrung finden, solange sie Zugang zum Boden haben und dieser nicht gefroren ist.
Dabei ist die Reise der Limikolen bei weitem keine einfache - im Gegenteil, die Vögel müssen etliche Hindernisse überstehen. Natürliche Gefahren wie Wetterextreme können dafür sorgen, dass die Zugvögel von ihrer Route abdriften und notlanden müssen, was zu ernsten Problemen führen kann. Oder das Ergreifen durch Fressfeinde wie etwa Wanderfalken, die besonders in den Küstenregionen Limikolen bejagen. Aber auch menschengemachte Ursachen können die Zugvögel auf ihrer Reise behindern. „Es fängt an mit Verlust von Rastgebieten oder Überwinterungsgebieten, zum Beispiel im Bereich der Küsten oder der Flussmündungen“, ergänzt Robin Maares. „Werden diese Gebiete überbaut oder versiegelt, stehen keine guten Nahrungsflächen mehr zur Verfügung.“ Wenn ein Vogel den Energiebedarf nicht mehr decken kann, ist er geschwächt und anfälliger für Krankheiten. Aber es gibt auch noch eine direkte Gefährdung durch uns Menschen, fügt der Ornithologe hinzu: „In anderen Ländern werden manche Limikolenarten noch aktiv bejagt.“
Umso wichtiger ist es, für unsere sensiblen Wiesenvogelarten die Nahrungshabitate in Bremen zu optimieren, die Brutgebiete zu erhalten und vor Brutverlusten durch Ausmähen der Gelege oder Prädation zu schützen. Dadurch können die bewährten Gelege- und Kükenschutzmethoden für Kiebitz, Uferschnepfe, Rotschenkel und Brachvogel künftig auch anderen bodenbrütenden Arten wie Löffelente, Knäkente und Sumpfohreule zugutekommen. Der Erfolg der letzten Jahrzehnte lässt sich messen: aus 250 Brutpaaren in 2005 wurden inzwischen fast 800 Paare.
Für Robin Maares steht die neue Saison kurz bevor. Auf wessen Rückkehr er sich am meisten freue? „Die ersten Kiebitze sind natürlich toll, weil man dann merkt, dass der Winter so langsam vorbei ist“, sagt er lächelnd, fügt dann aber noch hinzu: „Wachtelkönige sind auch immer klasse. Die kommen erst später im Mai - wenn man Glück hat, locken dann schon die ersten wärmeren Nächte nach draußen. Das ist eigentlich die Einleitung zum Sommer!“
- Information: „WiKo Bremen“ steht für „Kooperativer Wiesenvogelschutz in Bremen und umliegenden niedersächsischen Grünlandgebieten.“ Das Projekt „WiKo Bremen“ wird durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) aus dem nationalen Artenhilfsprogramm (nAHP) gefördert. Der BUND Bremen führt es in Kooperation mit der Stiftung NordWest Natur (NWN) durch.