Was ist WiKo - Gebietsvorstellung

19. August 2026 | WiKo

Zwischen Wasser und Weide: Das Niedervieland

WiKo Projektkarte mit Fokus auf das Niedervieland WiKo Projektkarte mit dem Fokus auf das Niedervieland.  (BUNDmagazin/J+R / BUND Bremen)

Wo heute weite Grünlandflächen, Gräben und Weiden das Landschaftsbild prägen, erstreckte sich bis ins Mittelalter eine ausgedehnte Sumpflandschaft. Erst seit dem 12. Jahrhundert wurde das Gebiet nach und nach durch Entwässerungsgräben trockengelegt und schrittweise in eine Kulturlandschaft umgewandelt. Bis heute ist der Wasserhaushalt ein entscheidender Faktor für den Erhalt dieser Landschaft: Die Be- und Entwässerung erfordert ein komplexes Management und wird kontinuierlich durch den Deichverband am linken Weserufer gesteuert. Mit einer Fläche von rund 900 Hektar – das entspricht etwa 900 Fußballfeldern – zählt das Niedervieland zu einem der bedeutendsten Grünlandlandschaften Bremens. 


Landschaftliche Vielfalt begünstig Biodiversität


Seine hohe ökologische Bedeutung wurde 2006 mit der Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet anerkannt. Trotz jahrhundertelanger Nutzung ist hier ein außergewöhnlich vielfältiger Lebensraum erhalten geblieben, der sowohl von natürlichen Prozessen als auch von einer angepassten landwirtschaftlichen Bewirtschaftung geprägt wird. Charakteristisch ist das dichte Netz aus Entwässerungsgräben und Grüppen (schmale Gräben zwischen den einzelnen Feldern, die das überschüssige Oberflächenwasser sammeln und anschließend schnell abführen). Hinzu kommen Spülfelder und Sandbiotope, die das Spektrum unterschiedlicher Standortbedingungen erweitern und die Artenvielfalt zusätzlich fördern. Ergänzt wird dieses Mosaik durch ein Tidebiotop mit einer Furt, das den Einfluss der Gezeiten erlebbar macht und wertvolle Lebensräume für wassergebundene Tier- und Pflanzenarten schafft wie etwa dem Blaukehlchen oder Schilfrohrsänger. Für den Vogelschutz spielt das Niedervieland insgesamt eine besondere Rolle. Im Winter dienen die Grünlandflächen und der Rastpolder zahlreichen Zugvogelarten als geschützter Aufenthalts- und Nahrungsraum. Während der Brutzeit profitieren Wiesenvögel wie WiKo-Zielarten Kiebitz, Rotschenkel, Uferschnepfe, Bekassine sowie Löffel- und Knäkente von den Feuchtwiesen. Für ihre Brutplatzwahl ist ein Nutzungsmosaik aus Weiden, Wiesen sowie extensiv und etwas intensiver bewirtschafteten Flächen von entscheidender Bedeutung. Auch die Flora spiegelt den hohen ökologischen Wert des Gebietes wider. Seltene und an feuchte Standorte angepasste Pflanzenarten wie Fieberklee, Sumpf-Läusekraut, Sumpfdotterblume und Kuckucks-Lichtnelke finden hier geeignete Lebensbedingungen. Ihr Vorkommen gilt als Indikator für naturnahe, artenreiche Feuchtgrünländer und unterstreicht die Bedeutung eines sorgfältig regulierten Wasserhaushalts. 


Zusammenspiel von Landschaftsmanagement, Wasserwirtschaft und Artenschutz


Bemerkenswert sind zudem die starken landschaftlichen Kontraste. Auf der einen Seite stehen ausgedehnte, artenreiche Grünlandflächen, auf der anderen grenzen Gewerbe- und Industriegebiete unmittelbar an das Schutzgebiet. Dieser Gegensatz verdeutlicht die Herausforderungen, denen solche Kulturlandschaften heute gegenüberstehen: Sie müssen gleichzeitig den Ansprüchen von Naturschutz, Landwirtschaft und einer zunehmend verdichteten Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung gerecht werden. Das Niedervieland zeigt eindrucksvoll, dass Kulturlandschaften keineswegs einen Gegensatz zur biologischen Vielfalt darstellen müssen. Vielmehr kann das über Jahrhunderte entwickelte Zusammenspiel von Wasserwirtschaft, extensiver Nutzung und gezieltem Landschaftsmanagement Lebensräume hervorbringen, die heute für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten von herausragender Bedeutung sind. Der langfristige Erhalt dieser Vielfalt hängt jedoch weiterhin von einer sorgfältigen Steuerung des Wasserhaushalts und einer an den ökologischen Anforderungen orientierten Bewirtschaftung ab – eine Aufgabe, die angesichts des Klimawandels und zunehmender Nutzungskonflikte weiter an Bedeutung gewinnen wird.
 

  • Information: „WiKo Bremen“ steht für „Kooperativer Wiesenvogelschutz in Bremen und umliegenden niedersächsischen Grünlandgebieten.“ Das Projekt „WiKo Bremen“ wird durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) aus dem nationalen Artenhilfsprogramm (nAHP) gefördert. Der BUND Bremen führt es in Kooperation mit der Stiftung NordWest Natur (NWN) durch.
     

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