Der BUND Bremen übernimmt die Valentinwildnis
Erwerb der Valentinwildnis durch den BUND
Der Bunker Valentin, einst geplant für den Bau von U-Booten im Nationalsozialismus, ist heute eine Gedenkstätte für die dortigen Verbrechen der NS-Zeit. 2017 hat der BUND dann schließlich die einmalige Chance ergriffen, die Wildnis zu erwerben und damit die ungestörte Entwicklung dieses großen Naturraums dauerhaft zu sichern. Nach langwierigen, mehrfach unterbrochenen Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten wurde die Beteiligten sich schließlich über den Erwerb der 22,3 Hektar großen Wildnis einig. Ein erfolgreicher Spendenaufruf machte es möglich, den vereinbarten Kaufpreis aufzubringen. Anfang April 2017 ging dann das Eigentum an der Valentinwildnis auf den BUND Landesverband Bremen e.V. über.75 Jahre ungestörte Entwicklung der Natur – Das ist einzigartig in Bremen. Im Norden Bremens hat sich ein „Urwald“ entwickelt, der sich direkt am Denkort Bunker Valentin befindet. Der Bunker Valentin, einst geplant für den Bau von U-Booten im Nationalsozialismus, ist heute eine Gedenkstätte für die dortigen Verbrechen der NS-Zeit. 2017 hat der BUND dann schließlich die einmalige Chance ergriffen, die Wildnis zu erwerben und damit die ungestörte Entwicklung dieses großen Naturraums dauerhaft zu sichern. Nach langwierigen, mehrfach unterbrochenen Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten wurde die Beteiligten sich schließlich über den Erwerb der 22,3 Hektar großen Wildnis einig. Ein erfolgreicher Spendenaufruf machte es möglich, den vereinbarten Kaufpreis aufzubringen. Anfang April 2017 ging dann das Eigentum an der Valentinwildnis auf den BUND Landesverband Bremen e.V. über.
Karte des genauen Standorts der Valentinwildnis
Historie
Historischer Hintergrund und Entstehung der Wildnis
1945 wurde nach Alliierten Luftangriffen der Bau des unfertigen Farger U-Bootbunkers eingestellt. Bis dahin mussten Tausende Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen auf der Baustelle arbeiten. Viele von Ihnen fanden dabei den Tod. Nach Kriegsende geriet die Geschichte der Bunkerruine bald in Vergessenheit. Heute ragt der Bunker als gigantischer schroffer Betonklotz in die Höhe und ist Denkort und Mahnmal an die Opfer der nationalsozialistischen Zwangsarbeit. Im Denkort Bunker Valentin wurde ein Fenster in die Geschichte anhand der Schicksale der Zwangsarbeiter eindrucksvoll geöffnet.
Das Gebiet war bis zum Baubeginn der Bunkeranlagen 1943 im Außendeich gelegenes und durch Gräben entwässertes Weide- und Sumpfland. Diese Gräben sind heute noch erkennbar. Für den Bunkerbau wurde hier dann die Bauhütte und eine Baumaterialentladepier eingerichtet, wofür sowohl der Weserdeich als auch Dämme und Rampen für die Baustellenbahnen aufgeschüttet und das Gelände damit eingepoldert wurden. Bereits vorher, zwischen 1935 und 1941, wurde die Öl-Pier sowie die Pipeline zum Tanklager Farge errichtet, wodurch der Bereich durch einen Pipelinedamm in einen Nord- und Südteil quergeteilt wurde.
Die Bauarbeiten und damit geschaffenen Veränderungen beeinflussen das heutige Erscheinungsbild der Wildnis erheblich. Besonders betroffen war der Teil der Valentinwildnis, der sich südlich unmittelbar an den Valentin-Bunker anschließt. Hier wurden Verwaltungs- und Lagergebäude sowie Baracken für die Zwangsarbeiter errichtet. Bahn- und Rohrdammaufschüttungen zur Gewährleistung des Materialtransports wurden vorgenommen und neue Zuwegungen eingerichtet. Diverse Baumaschinen und große Mengen an Baumaterial wurden auf der Fläche gelagert, was in diesem Bereich die völlige Zerstörung der Grünlandnarbe nach sich zog. Die so entstandenen Erdbewegungsmaßnahmen und auch die Einbringung von Fremdsubstraten wie z. B. Baugrundsande aus der Schwaneweder Heide dürften ebenfalls auf die Entwicklung der Fläche Einfluss ausgeübt haben.
Die Infrastruktur für den Bunkerbau wurde nach Kriegsende durch die Alliierten weitestgehend beseitigt und das Gebiet mit Ausnahme der Dämme bis auf das vorherige Außendeichsniveau wiederhergestellt und dann der natürlichen Entwicklung überlassen. Doch die durch die Bombardierung, entstandenen Bombenkrater sind heute noch teilweise zu erkennen und trugen zur Reliefgestaltung der Wildnis bei. Eine landwirtschaftliche Nutzung fand aufgrund des verformten Bodens, der hohen Anzahl an Bunker- und Barackentrümmern im Gebiet und der Gefahr durch die in der Fläche verbliebenen Blindgänger nicht statt. Heutzutage sieht man darüber hinaus auch aus ethischen Gründen ob der Geschichte von einer wirtschaftlichen Nutzung des südlichen Gebiets ab.
Die meisten Hinterlassenschaften der „Rüstungslandschaft“ um die Bunkerruine sind eingeebnet oder überwuchert. Ohne Hilfe lassen sie sich kaum noch auffinden. Die Baustellenflächen nördlich des Bunkers wurden wieder kultiviert und landwirtschaftlich genutzt. Die Baustellenflächen südlich der Ruine blieben dagegen leer und ungenutzt liegen und entwickelten sich zur heutigen BUND-Valentinwildnis. Die Natur konnte sich entfalten und über Jahrzehnte ungestört entwickeln. Ein lichter feuchter Wald wuchs heran, reich an Totholz, eingestreut Röhrichte und Hochstaudenfluren, idealer Lebensraum für viele Vogelarten, Insekten, Fledermäuse und Amphibien. Und dazwischen hie und da überwachsene Mauer-, Gebäude- und Betonbaureste.
Die Valentinwildnis ist Eigentum des BUND Bremen und ein Stück unberührte Natur. Das Foto zeigt die unberührte Natur.
(Martin Rode
/
BUND Bremen)
Ökologie der BUND-Valentinwildnis
Ein einzigartiges Naturjuwel
Natur sein lassen in der Valentinwildnis.
(Jule Thorn
/
BUND Bremen)
In der waldarmen Unterwesermarsch ist ein Naturjuwel entstanden, direkt neben der Bunkerruine, die ihrerseits heute den bedeutendsten Fledermaus-Winterschlafplatz in Nordwestdeutschland beherbergt. Mehr als 4.000 Fledermäuse, weit überwiegend Zwergfledermäuse (Pipistrellus pipistrellus) verbringen den Winter in den Betonspalten der Bunkerruine. Viele von ihnen nutzen die Valentinwildnis im Frühjahr und Herbst zur Insektenjagd. Darüber hinaus gehört dieser wertvolle Lebensraum zum Revier des ersten Bremer Uhu-Paares, welches in der Bunkerruine brütet.
Die Vielfalt der Pflanzen und Lebensräume wurde zuletzt 2016 in einer Bachelorarbeit an der Hochschule Bremen dokumentiert sowie 2020 im Rahmen des Integrierten Erfassungsprogramm Bremen 2018-2020.
Biotope und Vegetation
Es setzte zunächst zögerlich die Sukzession zum Auwald ein. Während auf Fotos von 1950 und 1960 nur wenige Bäume und Büsche zu erkennen sind, bedeckt der Au- und Sumpfwald heute ca. 19 ha. Das entspricht 75% des Untersuchungsgebiets und ist gegenüber einer Ausdehnung von ca. 14 ha vor 14 Jahren eine Zunahme von fast 40%.
Große Teile sind:
- in den tiefst gelegenen Senken (gespeist mit Grund- und Qualmwasser) Weidenauwald mit Silber- (Salix alba) und Bruchweide (Salix fragilis).
in den höher gelegenen Bereichen Sumpfwälder mit Eschen (Fraxinus excelsior; WNE), mit Moor- und Karpatenbirken (Betula pubescens agg.) und mit weiteren heimischen Baumarten wie Stieleichen (Quercus robur), Bergahorn (Acer pseudoplatanus) und Spitzahorn (Acer platanoides) sowie vereinzelt Hybrid-Pappeln (Populus x canadensis).
Insgesamt besteht der „Auwald“ aus einem ineinander verwobenen Gemenge aus je nach Geländehöhe ausgeprägtem Weiden-Auwald und -Gebüsch, Eschen-, Birken und Eichen-Sumpfwald (nur einzelne Erlen) und dem Anklang an einen Eschen-Ahorn-Hartholzauwald bzw. -Schluchtwald auf den Böschungen und Dämmen. Pflanzensoziologisch entspricht dies einem sich entwickelnden Eschen-Ulmen-Auenwald in der Ausbildung mit Acer pseudoplatanus (Bergahorn), die für die Küsten und Brackmarsch beschrieben wurde. 2014 wurden 210 Pflanzenarten bestimmt. Der Gesamtartenbestand hat sich über die Jahrzehnte insoweit geändert, dass sich deutlich mehr Arten aus den Laubwäldern und Gebüschen angesiedelt haben, also Arten, die eine Verbuschung begünstigen.
Vergleichbar naturnahe Gebiete wie diese sind selten in Norddeutschland und in der Form in Bremen sogar einzigartig und stellen deshalb landschaftsökologisch schützenswerte Biotope dar. Der überwiegende Teil der BUND-Valentinwildnis besteht aus gesetzlich geschützten Biotopen nach §30 BNatschG. Sie stellt inmitten von intensiv genutzten Siedlungs- und Agrarlandschaften ein mosaikreiches Ökosystem von hohem Potential und Wert für Bremen dar.
Punktuelle Aufwertung von Biotopen
Anlegen von Sandarium und Co.
Das angelegte Sandarium benötigt regelmäßige Pflege.
(Katharina Fuchs
/
BUND Bremen)
Am westlichen Rand der Wildnis direkt am Weserdeich wurde im Spätsommer 2024 ein Sandarium angelegt und beschildert. Hier wurde vor Jahren Sand vom Deichverband zwischengelagert und dann nicht weiterverwendet. Solche trockenen, vegetationsfreien Lebensräume sind besonders wichtig, denn 75% der heimischen Wildbienen sind Erdnister. Sie graben für ihren Nachwuchs Nestgänge in den Boden, an deren Enden sie ihre Brutzellen platzieren. Dafür brauchen sie sandige, offene und wenig bewachsene Bodenstellen. Solche Orte sind jedoch rar geworden. Mit einem Sandarium kann man Abhilfe schaffen. So wurde ein Teil der Fläche entkrautet, der bereits vorhandene Sand mit lehmigem Boden aufgewertet und eine Steilkante modelliert. Totholz umrahmt den entkrauteten Sandhaufen.
Ein Schild informieren über den Lebensraum und wie man ihn zu Hause herstellen kann. Ebenfalls ein essentieller Baustein in Bezug auf die Bildungsarbeit zum Thema Lebensräume und Naturschutz
Veranstaltungen zum Thema „Ökologie & Rechte Ideologie“
Natur-, Umwelt- und Klimaschutz sind zentrale Themen des 21. Jahrhunderts. Das weiß auch die rechtsextreme Szene. Doch warum fällt es ihnen so leicht, Natur- und Umweltschutz für sich zu besetzten? Was tun, wenn die Diskussion um heimische Pflanzen oder Kulturlandschaft rassistische Bezüge erhält? Wie kann man rechtsextreme „Naturschützer*innen“ erkennen, ihnen entsprechend begegnen und sich klar abgrenzen? Und warum geht uns das alle an?
Im April 2024 wurden nach intensiver Vorbereitung und Fördermittelakquise zwei Veranstaltungen zum Thema angeboten. Einführend gab es einen öffentlichen Vortrag im forumKirche vom Journalist Andreas Speit. Ein vertiefender Seminartag folgte einen Tag später. Dieser richtete sich an Multiplikator*innen des Themas und war in drei Teile unterteilt: historisch, soziologisch und regional & aktuell. Die Referierenden und Leitenden der Kleingruppen-Workshops am Seminartag waren Nils Franke (Zeithistorischer Blick / Ökologische Fragen in der Zeit des Nationalsozialismus), Andreas Speit (Die ökologische Frage in der extremen Rechte heute und im nördlichen Raum – „Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“) und Lia Polotzek (Sozial-ökologische Transformation demokratisch gestalten – Ein Blick in unterschiedliche Milieus). Ziel des Seminartages war es, dass die Teilnehmenden lernen zu erkennen, inwiefern Rechtsextremisten die Themen von Natur-, Umwelt- und Klimaschutz besetzen, indem sie sich mit der Strategie und den Narrativen der extremen Rechten auseinandersetzen. Dabei sollten die Teilnehmenden nachvollziehen, welche historischen Verknüpfungen es in der NS-Zeit zwischen nationalsozialistischer Ideologie und Naturschutz gegeben hat. Zudem konnten die Teilnehmenden die heutigen Entwicklungen im Kontext einer sozial-ökologischen Transformation betrachten und sollten erste Ideen für die Unterstützung eines demokratischen Naturschutzes in z.B. der Verbandsarbeit skizzieren.
Die gemeinsame Arbeit mit dem Denkort Bunker Valentin intensivierte sich durch diese Veranstaltung.
Die BUND Umweltbildung Bremen-Nord in der Valentinwildnis
Anfahrtskarte der Valentinwildnis.
(BUND Bremen
/
BUND Bremen)
Das Gelände der Valentinwildnis selber ist nicht als Spielfläche für Kinder geeignet. Es werden die Grünflächen drumherum, der Weserstrand am Bunker sowie der Deich empfohlen.
Da es sich um eine Naturfläche handelt, werden keine Maßnahmen der Baumsicherung durchgeführt. Die Flächen um die Valentinwildnis herum profitieren jedoch von der Vielfalt, so dass sich am Deich Insekten und Vögel, Blumen und mehr spielend entdecken lassen. Auch die Wildnis auf dem Weg zu durchqueren, ist für Kinder ein Abenteuer.
Die Valentinwildnis ist ein sehr dichter Wald mit großen Bäumen und viel Gebüsch. Diesen Wald zu durchqueren ist jedoch nur an einer Stelle möglich: bitte nutze den Wanderweg. Am Rande der Valentinwildnis führt neben einer asphaltierten Straße ein Deich direkt an der Weser entlang. Dieser rahmt auch die Weserbucht mit einem kleinen Sandstrand und meist flachem Wasser ein. Auf dem ganzen Gebiet sind Vogelbeobachtungen und die Entdeckung verschiedener Kleintiere sowie Insekten sehr gut möglich.
Lage:
53°13‘8‘‘N, 8°30‘2‘‘O
Die Einfahrt ist über die Straße „Rekumer Siel“ möglich. Am Ende dieser Straße befindet sich ein Tor als Eingang zum eingezäunten Museum im Valentin Bunker. Rechts davon ist ein schmaler Parkplatz am Zaun oder rechts am Zaun entlang ist die Durchfahrt bis zu einem Parkplatz an der Weserbucht erlaubt. Zugänge zu dem Gelände sind über Gehwege nur an wenigen Stellen (zum Beispiel beim Eingang zum Bunker) möglich, da der Wald im Inneren recht dicht bewachsen ist.
Am Deich stehen in regelmäßigem Abstand Bänke. Doch im Waldgebiet der Wildnis gibt es keine Sitz- oder Entsorgungsmöglichkeiten. Aus diesem Grund muss Abfall selbst wieder mitgenommen werden.
Falls gleichzeitig noch das Museum am U-Boot Bunker Valentin besucht werden möchte, muss auf die Öffnungszeiten - jeweils von 10 bis 16 Uhr - geachtet werden. Montags, samstags sowie an Feiertagen ist das Museum geschlossen.