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BUND Landesverband Bremen

Gelegeschutzmaßnahmen

Eier vom Kiebitz Kiebitz-Vollgelege auf der Wiese  (Arno Schoppenhorst)

Innerhalb des Schutzprogramms kommen vielfältige, im Laufe der Jahre mit Landwirten entwickelte Methoden des Gelegeschutzes zur Anwendung. Was genau gemacht wird, hängt von den Möglichkeiten der Bauern und deren Bewirtschaftungsplänen, den Empfindlichkeiten der jeweiligen Vogelarten und oftmals auch vom Wetter ab. Immer stehen dabei zunächst die Brutplätze im Vordergrund, denn diese müssen eine knapp vierwöchige Phase im Frühjahr unbeschadet überstehen. In genau dieser Periode wird jedoch auch eine intensive Wiesenpflege und die Düngung erledigt. Oftmals gibt es auf einer Wiese im April, also mitten in der Gelegephase, drei maschinelle Arbeitsgänge (walzen, striegeln, düngen), von denen jeder einzelne den Verlust aller vorhandenen Nester verursachen kann. Landwirte machen das natürlich nicht absichtlich. Die Brutplätze sind aber derart gut im Gras versteckt, dass sie vom Traktor aus nicht erkennbar sind.

Nester suchen und sichtbar markieren

Gelegemarkierung im Blockland Hier steckt Markus ein Gelege mit Bambusstockern ab  (Arno Schoppenhorst)

Bevor Landwirte im April mit der maschinellen Wiesenpflege beginnen, werden möglichst alle Gelege der Vögel mit simplen Bambusstöckern markiert, so dass diese sorgsam umfahren werden können. Eine eigentlich simple Methode, aber wie findet man die im Gras versteckten Nester, und das z.B. im 3000 ha großen Blockland?

Stundenlanges Beobachten der Wiesen mit dem Fernglas oder Spektiv aus sicherer Entfernung ist notwendig, um die aus dem Gras schauenden Vogelköpfchen oder die kurz aus der Deckung steigenden Vögel zu finden. Auch das geduldige Observieren der langsam zu den Nestern schleichenden Tiere ermöglicht das Auffinden der Brutstandorte. Im Optimalfall können hierbei die Hochsitze der Jäger genutzt werden. Hat man in 300 oder 400 m Entfernung ein paar Verdachtspunkte lokalisiert, navigiert der eine den anderen mit dem Funkgerät über die Wiese. Dieser steckt dann die Baumbusstöcker an die Nester und misst die Standorte GPS-genau ein. Die Sache muss allerdings immer schnell gehen, denn längere Störungen vertragen die Vögel nicht. 

Apropos schnell: Seit 2016 gibt es die Bremer "Gelege-App", mit der das Einmessen der Gelege, das Notieren der Nestdaten und auch das spätere Wiederauffinden der Brutplätze flott über die Bühne geht. Dankenswerter Weise haben Informatik-Studenten der Hochschule Bremen die Programmierung übernommen. Jeder aus dem BUND-Einsatzteam läuft nun mit Smartphone über die Wiese und kann immer auf alle Daten zurückgreifen. Sehr praktisch, denn immerhin müssen z.B. im Blockland pro Jahr mehr als 500 Brutstandorte erfasst und auch regelmäßig kontrolliert werden.

Hier vorne der brütende Brachvogel, da hinten kommt die Striegelmaschine. Gut, dass hier ein Bambusstock steht, der dem Traktorfahrer das Nest verrät  (Arno Schoppenhorst)

Gelegeschutzkörbe

Simple Nestschutzgitter verhindern das Zertrampeln der Bodenbruten  (Arno Schoppenhorst)

Weidegrünland ist v.a. für Kiebitze sehr attraktiv, denn an den durchgetretenen Stellen kommen die Vögel leicht an Regenwürmer ran. In der etwas lückigen Vegetation finden sich auch gute Nistplätze. Rennt aber eine Rinderherde über die Weide, gehen die Gelege schnell verloren. Vor allem auf den Umtriebsweiden, wo plötzlich 50 oder 100 Kühe umherlaufen, oder auf Jungrinder-Weiden ist das Risiko sehr hoch. 

Mit simpel hergestellten stabilen Metallgittern, die als Gelegeschutzkörbe über das Nest gestülpt werden, lassen sich Viehtrittschäden an den Nestern effektiv vermeiden. Die Kiebitze und Uferschnepfen stören sich nicht an den Metallbügeln über ihren Köpfen. Nur der Rotschenkel reagiert darauf sehr empfindlich. Für dessen Schutz werden im Bedarfsfall besser kleinere Brutinseln mit Elektrozäunen gegen Schäden gesichert. Dort, wo sich kleinere Brutkolonien im Grünland befinden, wird mit dem Landwirt auch eine Verzögerung des Viehauftriebs vereinbart, wofür der BUND eine geringe Hektarprämie auszahlt.

Prädationsschutz durch Elektrozaun

Elektrozaun zur Fuchsabwehr in einem wichtigen Uferschnepfen-Brutbereich. Ein Solarpanel hält die Stromlitzen auf Hochspannung  (Arno Schoppenhorst)

In einem von Uferschnepfen und Kiebitzen dicht besiedelten Teilgebiet im Niederblockland kam es in den letzten 2 Jahren im April zu hohen Brutverlusten, die auf räubernde Füchse zurückzuführen waren. Dies belegen Aufnahmen mit Wildkameras. Zwar konnte ein Teil der verlorenen Bruten durch spätere Nachgelege wieder ausgeglichen werden, dennoch drohte eine Verschärfung des Problems, v.a. für die stark gefährdete Uferschnepfe.

Die Idee, die Brutwiese mit all den Vögeln mit einem speziellen Elektrozaun einzufassen und somit den Fuchs außen vor zu halten, war nicht neu. In der Diepholzer Moorniederung wendet der BUND diese Methode schon seit Jahren erfolgreich an und erzielt damit einen hohen Prädationsschutz.

2 Kilometer Zaunmaterial, hunderte von Zaunpfählen und das Solarpanel zur Stromversorgung kosteten aber einiges an Geld. Im März 2017 konnte das fuchsfreie Revier eingerichtet werden. Es wurde eine etwas anstrengende Aktion, dazu das regelmäßige Freimähen des Zaunes, mitunter auch kleinere Technikprobleme – das Ganze steckt noch in der Erprobungsphase und wird in 2018 zu verbessern sein. Eins ist allerdings schon in 2017 gelungen: Die Füchse kamen nicht mehr an die Schnepfen heran. 

Manchmal hilft nur noch Abseilen

Neulich sonntags im Blockland beim Abseilen der Wiesen  (Arno Schoppenhorst)

Der 1. Mai ist vorbei, das Gras stark aufgewachsen. Auf den Höfen werden schon die Mähwerke in Stellung gebracht und bald geht die Silagegrasmahd los. Noch sind aber nicht alle Schnepfen- und Brachvogelnester gefunden. Kurz vor dem Schlüpfen sitzen die brütenden Vögel jetzt tief versteckt im Gras und sind mit dem Fernglas nicht mehr auffindbar. Plötzlich dann die Anrufe von Hinrich, Bernhard, Jörn usw. "Övermorgen in den Middagtied geith dat man lös!"

Das BUND-Team holt jetzt das 150 m lange Seil raus, spannt es in die Anhängerkupplungen zweier Fahrzeuge, die es dann sehr langsam über das hohe Gras ziehen. Es soll die brütenden Vögel einmal hochschrecken. Eine 3. Person achtet auf alles, was am Seil passiert. Dann fliegt der erste Brachvogel auf, ... sofort wird gestoppt. Das Nest ist schnell gefunden, wird sofort markiert und eingemessen, dann geht es weiter. Mehr als 100 ha schafft das Team an diesem Sonntag und findet dabei mehrere versteckte Brutplätze, die morgen schon verloren wären.

Die Methode scheint brutal, ist aber das letzte Mittel, wenn eine Mahd nicht mehr hinausgezögert werden kann. Die Bauern unterstützen dies, in dem sie die Wiesenränder zunächst anmähen, damit dort problemlos gefahren werden kann.

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