Früh aufstehen für den Wachtelkönigschutz: WiKo-Mitarbeiter Robin Maares (NordWest Natur).
(Lars Darge
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WiKo)
Anfang Juni sind die letzten Reviere des Wachtelkönigs (Crex crex) so langsam besetzt. Die seltene Vogelart ist dieses Jahr im Mai in den Brutgebieten eingetroffen und die Fortpflanzungsphase läuft auf Hochtouren. Während der Wachtelkönig aufgrund seines markanten Gesangs (ein eher knarzender Ruf, dem er seinen Namen verdankt) noch am ehesten gehört wird, entziehen sich die Brutplätze meistens selbst erfahrenen Ornithologen und Ornithologinnen.
„Wir betreuen hier im bremischen vor allen Dingen das Naturschutzgebiet Borgfelder Wümmewiesen. Dazu auch noch weitere, aber dieses Schutzgebiet ist Teil der WiKo-Kulisse - hier haben wir speziell den Fokus auf Wachtelkönig und Bekassine“, erläutert Robin Maares, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Stiftung NordWest Natur und Schutzgebietsbetreuer beim WiKo-Projekt. Bisher sind drei rufende Wachtelkönige nachgewiesen.
„Für den Wachtelkönig ist jetzt gerade Saison“, berichtet Maares, der die Erfassungen durchführt. In den vorherigen Jahren konnten bereits Erfolge mit neuer Wärmebilddrohnentechnik erzielt werden. Nun gehe es darum, die Methode weiterzuentwickeln und zu etablieren. „Wir versuchen jetzt eben, das Ganze fortzuführen, zu perfektionieren und praxistauglich zu machen“, erklärt der Schutzgebietsbetreuer. Die Suche gestaltet sich jedoch deutlich komplizierter als bei anderen bodenbrütenden Vogelarten. Wachtelkönige legen ihre Nester gut verborgen in hohem Gras an. Genau diese Strategie erschwert die Erfassung mittels Wärmebildkamera. Denn selbst mit Wärmebilddrohne ist es nicht sicher, dass die Nester auch gefunden werden. „ Zahlreiche Faktoren wie Flughöhe, Kameraeinstellungen und die Darstellung der Temperaturunterschiede beeinflussen die Suche und müssen aufeinander abgestimmt werden. „Da gilt es noch viel herumzuprobieren.“, so der Ornithologe.
Hinzu kommt die Herausforderung bei der Platzwahl der Gelege. „Dadurch, dass die Art im hohen Gras brütet, ist es anders als bei anderen bodenbrütenden Vogelarten“, erläutert Maares. „Bei einem Meter Bewuchs über dem Nest kann es sein, dass das Ganze zu stark abgeschirmt wird und man selbst mit der Drohne nichts sieht.“
Trotz der Herausforderungen ist die Motivation groß. Denn erfolgreiche Brutnachweise des Wachtelkönigs gehören in der Schutzgebietsbetreuung keineswegs zum Alltag. „Um vier Uhr im Gelände zu sein ist natürlich hart“, sagt Robin Maares lachend. „Die Motivation dabei ist, dass es überhaupt die Chance gibt, Brutnachweise einer so mysteriösen Wiesenvogelart zu erbringen.“
Die Kombination aus versteckter Lebensweise und schwer aufspürbaren Neststandorten macht direkte Beobachtungen selten. „Man hat als Feldornithologe oder Feldornithologin unter normalen Umständen eigentlich gar keine Chance, Jungvögel nachzuweisen oder eben Nester zu finden“, beschreibt Maares die Situation. Die neuen technischen Möglichkeiten eröffneten daher einen bislang ungekannten Zugang. „Dass das Ganze überhaupt jetzt möglich ist, ist schon etwas Besonderes. Man hat die Chance, hinter die Kulissen zu schauen.“
Der Einsatz von Wärmebilddrohnen könnte damit weitere neue Erkenntnisse zur Brutökologie des Wachtelkönigs liefern. Für die beteiligten WiKo-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen steht fest: Der Blick in die verborgene Welt einer so selten gewordenen Wiesenvogelart rechtfertigt auch den Einsatz in den frühen Morgenstunden.
- Information: „WiKo Bremen“ steht für „Kooperativer Wiesenvogelschutz in Bremen und umliegenden niedersächsischen Grünlandgebieten.“ Das Projekt „WiKo Bremen“ wird durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) aus dem nationalen Artenhilfsprogramm (nAHP) gefördert. Der BUND Bremen führt es in Kooperation mit der Stiftung NordWest Natur (NWN) durch.