Naturfoto des Monats März 2026

13. März 2026 | Weser und Nordsee, Was fliegt denn da?, Tiere und Pflanzen

Im März thematisiert der BUND Arbeitskreis Naturfotografie das Thema "Struktur". Diese Aufnahme von stammt von Georg Wietschorke und wurde zum "Naturfoto des Monats März" gewählt.

Das Naturfoto des Monats März Rastende Sanderlinge als abstraktes Muster - das Gewinnerbild im März.  (Georg Wietschorke / BUND Bremen)

Auf dem Gewinnerbild ist ein Schwarm rastender Sanderlinge (Caldris alba) zu sehen – ein seltener Anblick, denn die kleinen Watvögel sind normalerweise unentwegt an der Wasserkante unterwegs und picken mal hier, mal dort nach kleinen Krebsen und Würmern, die angespült werden oder aus dem Boden kommen.
 

Ist die auslaufende Welle zu schnell oder doch noch zu hoch, fliegen sie kurz auf, um sich sofort wieder zu setzen und weiter zu trippeln. Lediglich bei Störungen durch Spaziergänger*innen und Hunde fliegen sie im gesamten Trupp weiter. Wegen dieser rastlosen und für uns als hektisch empfundenen Bewegungen werden sie im plattdeutschen „Keen Tied“, also wortwörtlich „keine Zeit“ genannt.
 

Sanderlinge sind etwas kleiner als die im Wattenmeer häufigen Alpenstrandläufer und im Gegensatz zu diesen von Herbst bis Frühjahr, wenn sie an der Nord- und Ostseeküste zu finden sind, fast weiß. Lediglich das Rückengefieder ist hellgrau. Zur Brutzeit im Sommer ist das Rückengefieder gelb-braun gefleckt. Dann befinden sich die Sanderlinge allerdings in den Brutgebieten in der hocharktischen Tundra von Nord-Kanada, Grönland und Sibirien.
Im Wattenmeer erscheinen die ersten Sanderlinge oft bereits Mitte Juli. Mit Ankunft der Jungvögel wachsen sie bis Ende August oder Anfang Sep¬tember auf einige Zehntausend an. Am Ostseestrand ziehen weit weniger Sanderlinge durch und sind daher in weit geringerer Anzahl anzutreffen.  Im Oktober/November ziehen die allermeisten Sanderlinge ab in die Winterquartiere an den westafrikanischen Küsten. Letztendlich sind die Zugwege aber auch angepasst an die Nahrungsverfügbarkeiten der jeweiligen Vögel, weshalb sich das Zugverhalten von manchen Arten dadurch ändern kann, dass der Mensch die Landschaft (und das Nahrungsangebot) verändert.
Jetzt kommen sie wieder aus den Überwinterungsgebieten zurück und fressen sich bis etwa Ende Mai und Anfang Juni im Watt und an den Stränden eine dicke Fettschicht an, die für den bis 5.000 Kilometer langen Non-stop Flug in die Brutgebiete reichen muss. Dabei können bis 60 Prozent des Körpergewichts aus Fett bestehen, das während des Fluges verbrannt wird.
 

Sanderlinge ernähren sich nicht nur von kleinen Kreb¬sen und Würmern, die sie vor der auslaufenden Welle wegpicken, sondern fressen auch größere tote Tiere wie angespülten Muscheln, Fische oder Vögel. Im Wat¬tenmeer zieht etwa ein Viertel der Gesamtpopulation von geschätzt 130.000 Tieren durch. Daher hat dieses Weltnaturerbe auch für Sanderlinge eine ganz besonders wichtige Funktion.
 

Sanderlinge halten sich vorwiegend an der Wasserkante der Strände auf, so dass sie von frei-laufenden Hunden oder direkt am Wasser gehenden Spaziergänger*innen leicht aufge-scheucht werden können – und damit wertvolle Zeit zum Fressen verlieren. Deshalb appelliert der BUND Bremen an Natursuchende, Rücksicht auf diese (und andere) besonderen Vogelart zu nehmen.

 

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