Trotzdem gehen Feuchtgebiete dreimal schneller verloren als Wälder – seit 1970 seien weltweit mindestens 35 Prozent der Feuchtgebiete verschwunden, warnt das Bundesamt für Naturschutz (Quelle: BfN). Im Bremer Raum ist das Thema Feuchtgebiete nichts Neues – besonders zu dieser Jahreszeit sind die Wümmewiesen häufig überschwemmt, ein Leben mit dem Fluss ist Alltag. WiKo-Gebietsbetreuer und Ornithologe Robin Maares war für uns beim Holler Deich und hat wichtige Einblicke in das Naturschutzgebiet der Borgfelder Wümmewiesen.
„Wir haben dort eine überflutete Aue im Winterhalbjahr.“, erklärt Maares die im Winter auftretende Seenlandschaft, die auf dem Drohnenclip zu sehen ist. „Wir lassen Überschwemmungen zu - in vielen Flussniederungen in Mitteleuropa hat man diese Dynamik überhaupt nicht mehr, entweder durch Deiche oder weil das Wasser schnell abgeführt wird. Bei uns kann das Wasser in die Aue entweichen.“
Schon sehr früh wurden die Borgfelder Wümmewiesen als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Bereits Ende der Achtziger Jahre, nachdem die damals sehr unterschiedlichen Interessen von Landwirtschaft und Naturschutz aneinandergerieten. „Aber“, weiß Maares, „der Status Naturschutzgebiet alleine hilft noch nicht. Man braucht auch eine entsprechende Verordnung, die die Regeln klar umreißt. Ab wann darf zum Beispiel gewirtschaftet werden? Gerade beim Schutz der bodenbrütenden Zielarten im WiKo sind die Zeitpunkte, wann eine Nutzung einsetzt entscheidend dafür, ob eine Brut durchkommt oder nicht.“
In Borgfeld wurde damals in dieser Schutzgebietsverordnung eine sehr späte Erstbewirtschaftung festgelegt. Auch Düngung ist komplett verboten. So können Watvögel aber auch Entenarten wie Löffel- und Knäkente im Frühjahr attraktive Brutgebiete vorfinden. Lediglich die Abhängigkeit von den Großwetterlagen sei ein ständiges Problem, ergänzt Robin Maares. „Im Wesentlichen ist es so, dass wir hier ein Schutzgebiet haben, das wir gut vernässen können. Aber wenn es im Frühling und Sommer nicht regnet, können wir auch nicht zuleiten. Wir können ja nur das Wasser halten, das der Fluss mit sich führt. Wir sind von den klimatischen Veränderungen abhängig. Trotzdem: Das Wasser und die Nutzung sind die beiden wesentlichen Punkte die Borgfeld zu einem sehr effizienten Schutzgebiet und einem wichtigen Feuchtgebiet machen.“
- Information: „WiKo Bremen“ steht für „Kooperativer Wiesenvogelschutz in Bremen und umliegenden niedersächsischen Grünlandgebieten.“ Das Projekt „WiKo Bremen“ wird durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) aus dem nationalen Artenhilfsprogramm (nAHP) gefördert. Der BUND Bremen führt es in Kooperation mit der Stiftung NordWest Natur (NWN) durch.