Der BUND fordert
- Einen kontinuierlichen Ausbau des Straßenbahn- und Regio-S-Bahn-Netzes in Bremen und den Nachbargemeinden im Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen (VBN)
- Die vollständige Elektrifizierung der VBN‑Busflotte
- Bessere Fahrrad-Mitnahmemöglichkeiten im ÖPNV und SPNV
Der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) in Bremen
Im Jahre 1876 gab es mit der „Pferdebahn“ von Hastedt nach Walle das erste öffentliche Verkehrsmittel in Bremen. Wenige Jahre nach der Einführung der Bremer Pferdebahn fand bereits die Umstellung auf eine elektrisch betriebene Straßenbahn statt.
Aktuell beträgt die Anzahl der Passagiere beim VBN etwa 100 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Die Verkehrsnachfrage im öffentlichen Verkehr liegt in Bremen bei 340.000 Personenfahrten proTag. Die Fahrleistung im Straßenbahnnetz beträgt ca. 25.000 Fahrzeug-Kilometer pro Tag für den mittleren Werktag und die Jahresgesamtfahrleistung der Straßenbahnen etwa acht Millionen Fahrzeug-Kilometer. Der weitere Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel bietet die Chance, das Stadtbild aufzuwerten: Statt Parkplätze bleibt mehr Raum für Parks und Grünflächen sowie breitere Fuß- und Radwege.
In den letzten Jahren wurden von der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) nur noch Busse mit dem höchsten Emissionsstandard „EEV“ beschafft. Dadurch konnte der Ausstoß von Feinstaub und Stickstoffdioxid in der gesamten Busflotte fast halbiert werden. Die BSAG unternimmt momentan weitere Schritte in Richtung Elektromobilität: Sie testet Elektrobusse auf ihre Praxistauglichkeit im Alltag - das ist eine Chance, um die Abgasbelastung in der Stadt spürbar zu reduzieren. Dafür benötigt es aber politische Förderung und Initiative.
Verlängerung ins Umland!
Bremen ist sozial wie wirtschaftlich eng mit dem Umland verflochten und betreibt auf verschiedenen Ebenen eine enge Zusammenarbeit mit seinen Nachbarstädten und -gemeinden. So ist die Freie Hansestadt Bremen Teil der Metropolregion Bremen/Oldenburg, in der rund 2,7 Millionen Menschen leben, und bildet gemeinsam mit 28 Gemeinden den Kommunalverbund Niedersachsen Bremen, mit einer Einwohnerschaft von gut einer Million Menschen. Die Grenzen zwischen Bremen und Nachbargemeinden sind oft fließend, vor allem im täglichen Leben.
Mehr als 130.000 Menschen pendeln täglich von ihren Wohnorten zu ihrem Arbeitsplatz nach Bremen ein, etwa 50.000 pendeln von Bremen ins Umland aus. Ein Blick auf das Mobilitätsverhalten der Pendler:innen zeigt, dass der überwiegende Teil mit dem Auto ein- bzw. auspendelt.
ÖPNV schafft Alternativen
Von vielen Pendler:innen wird das Auto dabei als alternativlos betrachtet. Ein Blick auf die vorliegenden Daten zeigt jedoch, dass mehr als die Hälfte der Pendlerwege auf relativ kurze Strecken bis 25 Kilometer entfallen. Das sind Strecken, die auch mit anderen Verkehrsmitteln bequem und oft sogar ohne Zeitverlust zurückgelegt werden können. Vor diesem Hintergrund ist die Verlängerung des Bremer Straßenbahnnetzes über die Stadt- und Landesgrenze hinaus sinnvoll und nötig. Gerade für Kurzstreckenpendler:innen können der öffentliche Personennahverkehr und Schienenpersonennahverkehr bei entsprechenden Angeboten attraktive Alternativen bieten. Die vollzogene Erweiterung des Bremer Straßenbahnnetzes in Richtung Lilienthal und Mahndorf stellt einen wichtigen Schritt zur Schaffung dieser Angebote dar.
Fahrscheinloser ÖPNV
Kein Ticket, kein Problem
In den Bus einsteigen ohne zu bezahlen . Was nach Utopie klingt, kann Wirklichkeit werden, und neben dem Geldbeutel profitiert dabei besonders die Umwelt: Mehr Verkehrsteilnehmer:innen steigen vom Auto auf Bus und Bahn um, und das Autofahren wird im Vergleich noch teurer als es eh schon ist. Es fahren weniger Autos auf den Straßen, und der CO2 - Ausstoß wird reduziert. Estlands Hauptstadt Tallinn spart durch die Einführung des kostenlosen öffentlichen Personennahverkehrs bereits 48 Tonnen CO2 pro Jahr. Gleichzeitig gelangen weniger Feinstaub in die Luft, und durch das niedrigere motorisierte Verkehrsaufkommen sinkt die Lärmbelastung.
Für einen sozialen ÖPNV
Zusätzlich zur Umwelt gewinnt aber auch die Gesellschaft am ticketlosen öffentlichen Verkehr. Bürger*innen genießen unabhängig von der Höhe ihres Einkommens den gleichen Zugang zu Mobilität und haben leichteren Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe. Besonders die Jungen profitieren. Das stark subventionierte Semesterticket ist bei Studierenden ein großer Erfolg und wird stark genutzt, aber alle anderen, wie zum Beispiel Auszubildende bleiben dabei auf der Strecke. Sie haben ein geringes Einkommen und müssen anteilig eine größere Summe für Mobilität aufwenden als Gutverdienende. Von einem ticketlosen öffentlichen Verkehr würden alle gleichermaßen profitieren.
Alle zahlen, alle gewinnen
Finanzieren könnte sich ein fahrscheinloser ÖPNV durch öffentliche Gelder, also durch Steuern. So würden die Kosten des ÖPNV auf alle Schultern verteilt, sodass der Einzelne am Ende weniger zahlt. Denn schon jetzt fließen hohe Summen an öffentlichen Geldern in das Semesterticket und die Bezuschussung der BSAG, ohne dass die Gemeinschaft davon profitiert. Bei einem fahrscheinlosen System hingegen gewinnen alle, und soziale Ungerechtigkeiten werden abgemildert.
Weiter kann die Zahl der Unfälle gemindert werden, weil Autofahrer:innen mehr mit Bus und Bahn fahren.
Na dann los, oder?
Kostenloser ÖPNV ist vielerorts im Gespräch, wurde bisher aber nur vereinzelt in Kleinstädten umgesetzt. In Tallinn hingegen läuft das Projekt erfolgreich. Jede:r Einwohner:in der Stadt bekommt eine sogenannte Smartcard, die er oder sie beim Einsteigen über ein Lesegerät zieht. Tourist*innen zahlen einen niedrigen Fahrpreis von 1,60 €. Dieses Modell könnte auch die Attraktivität des Standortes Bremen steigern: Die zahlreichen Pendler:innen haben einen neuen Anreiz in die Stadt zu ziehen, und Besucher:innen können kostengünstig den Nahverkehr nutzen. Der BUND Bremen fordert daher, dass endlich die ticketlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ermöglicht wird, um Umwelt und Geldbeutel zu schonen, aber auch die soziale Gerechtigkeit zu stärken.
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