Aktuelle Lage am Brutfloß auf dem Blauen Werder:

Seit dem 24. Mai ist auf dem Brutfloß keine Flussseeschwalbe mehr aktiv. Der diesjährige Bruterfolg ist damit leider 0.

Vorher war über die BUND-Kamera zu beobachten, dass normal Eier gelegt wurden. Außerdem wurden durch BUND-Aktive und Mitarbeiter*innen volle Gelege entdeckt - allerdings verschwanden die Eier wieder. Obwohl zeitweise nochmal viele Kopulationen beobachtet werden konnten und weitere Eier nachgelegt wurden, sind diese leider erneut komplett verschwunden.

Schließlich verließen alle Flussseeschwalben den Brutplatz.

Außerdem wurden vorher auch auffällig viele Aggressionen beobachtet: ein Beobachter berichtete von Attacken sogar auf Haubentaucher, das wäre neu. Auch wenn eine Rabenkrähe nur überflog, gab es starke Reaktionen der Flussseeschwalben. Lachmöwen wurden in der Luft mit mehr als nur Scheinattacken angegangen.

Eine Spurensuche vor Ort am 29. Mai ergab: ausnahmslos alle Eier sind weg, auch keine zertretenen oder verlassenen Eier, nur wenige kleine Eierschalenreste (vor allem unter den Dächern) und sogar eine tote adulte Flussseeschwalbe.

Nach Sichtung der Videokamera und der Fotofalle haben verschiedenste Prädatoren (Lachmöwen, Rabenkrähen usw.) die Kolonie unter Druck gesetzt. Wir hoffen auf ein besseres nächstes Jahr!

Bitte beachten!

  • Hunde in der Brutzeit konsequent anleinen, da sonst die am Ufer brütenden Vögel gestört werden und versuchen, auch auf das Floß auszuweichen (wodurch es zu Unruhe unter den anderen brütenden Vögeln auf dem Floß kommt) 
  • Paddler in der Brutzeit nicht durch die enge Passage zwischen Floß und Ufer fahren
  • Angler*innen großräumig Abstand zu Floß und Ufer halten

Zur Geschichte der Flussseeschwalbe in Bremen

Ein Vogel unter Druck

Flussseeschwalbe im Flug  (Georg Wietschorke / BUND Bremen)

Seit ca. 1990 bemüht sich der BUND Bremen erfolgreich um die Stabilisierung des Bestandes der Flussseeschwalbe in Bremen: von ursprünglich mal gerade vier Paaren in den 70er Jahren ist der Bestand inzwischen bis auf über 70 Paare angewachsen. Möglich war dieser Erfolg durch die Anlage von zwei Brutflößen als Ersatz für Kies- und Sandbänke der einst unregulierten Weser, auf denen die Vögel früher brüteten. Die Brutflöße betreuen Sigi Eisend, Michael Abendroth und Christina Sommer.

Der Aufwärtstrend bei den Flussseeschwalben dürfte allerdings zu Ende sein. Denn eines der beiden Brutflöße ist seit einiger Zeit komplett von Lachmöwen übernommen worden. Dort in der „Neuen Weser“ kommen Flussseeschwalben nun nicht mehr zum Zug. Generell ist eine zunehmende Brutplatzkonkurrenz auf den Flößen zu beobachten. Dies gilt schon länger für die Nilgans, die aber manchmal von den Seeschwalben vertrieben werden kann, und eben zunehmend auch für Lachmöwen. Für die Betreuung des Floßes auf dem „Blauen Werder“ bei Arsten bedeutet diese Entwicklung einen erheblichen Mehraufwand. So müssen wir frühzeitig im Jahr ein Netz über das Floß spannen und zwar so, dass auch schwere Vögel wie die Nilgans das Netz mit ihrem Gewicht nicht zu Boden drücken können. Andernfalls würde einfach auf dem Netz gebrütet. Erst wenn die Seeschwalben aus Afrika zurückkommen, wird das Netz entfernt.

Restaurierung des Brutfloßes

Nach über zehn Jahren im Einsatz musste umfangreiche Restaurierungen am Brutfloß vorgenommen werden.

Nach über 10 Jahren waren die alten Schwimmkörper des Brutfloßes für Flussseeschwalben auf dem Blauen Werder ziemlich durchlöchert und vollgesogen. Es hing etwas schief im Wasser und in zwei der acht Schwimmkörper waren große Gänge und Höhlen eingefressen, vermutlich war eine Biberratte (oder auch Nutria genannt) dort am Werk. Damit die von Jahr zu Jahr größer werdende Flussseeschwalbenkolonie weiter an diesem Standort brüten kann, wurde das Brutfloß im September und Oktober 2021 vom BUND renoviert.

Das Floß wurde von seinen Ankern gelöst, an einen Anleger geschleppt, in vier Teile auseinandergeschraubt und dann nach und nach aus dem Wasser gehoben, wo unter den alten  Stahlrahmen neue Schwimmkörper fixiert wurden. Danach das ganze Retour: Ins Wasser heben, zusammenschrauben, mit neuem Kies beladen und zurück an den Ankerplatz auf dem See schleppen. Auch ein neuer umlaufender Zaun wurde errichtet, der gegen Prädatoren und die Küken vorm dem Rausfallen schützt. Klingt ziemlich einfach, aber das Ganze wurde nur geschafft mit der Hilfe von 13 unerschrockenen Helfer*innen in über 100 Arbeitsstunden, außerdem mit der professionellen Unterstützung von Firma Hansa-Beton, die ihren Anleger, Kran und Kies zur Verfügung stellte, sowie durch die Förderung durch die Bingo!-Umweltstiftung Niedersachsen.

Seitdem können wir in der Brutsaison der Flussseeschwalben durch eine Videoüberwachung des Floßes zudem störungsfrei tiefere Einblicke über das Brutgeschehen bekommen.

Wer die Flussseeschwalbe beobachten möchte, kann sie gut an ihrem gegabelten Schwanz und roten Schnabel mit schwarzer Spitze erkennen. Sie ähnelt zwar auf den ersten Blick einer Möwe, ist aber deutlich kleiner und im Flug eleganter. Ihre Nahrung – meist kleine Fische – erbeutet sie ausschließlich durch Sturztauchen ins Wasser.

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