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BUND Landesverband Bremen

BUND-Klage erfolgreich!

Gegen die seit 2006 geplante Weservertiefung (Außenweser > 1,20 Meter, Unterweser bis Brake 0,90 Meter und bis Bremen 0,60 Meter) hat der BUND 2011 vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig geklagt und zunächst einen Baustopp erreicht. Die Bedeutung der Weser für die Natur sowie die Schäden einer neuerlichen Flussvertiefung wurden dafür von BUND-Experten eigens zusammengestellt (Wirkungen der Weservertiefung).  

Containerterminal Bremerhaven Containerterminal Bremerhaven  (G. Wietschorke / BUND- Bremen )

Aber warum das Ganze? Die Vertiefung der Unterweser zum Hafen Brake verfolgt den Zweck, dass Massengutfrachter etwas mehr beladen als bislang ihre Fracht – häufig genmanipuliertes Soja - zum größten Futtermittelimporthafen Europas bringen, der dann die Massentierhaltung in Nordwestniedersachsen mit billigem Importfutter versorgt; Umweltzerstörung in den Ländern des Südens, Schädigung der Weser, Überdüngung der Felder und Eutrophierung der Nordsee inbegriffen. Die Vertiefung der Außenweser soll dagegen das Bremerhavener Containerterminal für große Seeschiffe leichter erreichbar machen, obwohl selbst die weltgrößten Containerschiffe bereits heute regelmäßig Bremerhaven anlaufen.

Im Zuge der BUND-Klage gegen die Weservertiefung rief das Bundesverwaltungsgericht 2013 den Europäischen Gerichtshof zur Klärung grundsätzlicher Fragen des europäischen Gewässerschutzes an. 2015 verlieh der EuGH in seinem Grundsatzurteil dem Verschlechterungsverbot und der Verbesserungspflicht des ökologischen Zustands der europäischen Oberflächengewässer großes Gewicht. Im Sommer 2016 gab das Bundesverwaltungsgericht dann schließlich der Klage des BUND gegen die Weservertiefung statt. Der Planfeststellungsbeschluss wurde wegen schwerer Mängel bezüglich europäischen und nationalen Naturschutzrechts für nichtvollziehbar erklärt. Und die Weservertiefung bleibt gestoppt dank des jahrelangen Einsatzes des BUND für das Flussökosystem! 

Weservertiefung und ihre Folgen

Strand bei Cafe Sand Strand bei Cafe Sand  ( BUND - Bremen )

Mit Beginn der Flussvertiefungen für immer größere Seeschiffe (Übersicht Weservertiefungen) hat sich seit 1880 das Bild der Unterweser stark verändert. Wer heute noch eine weitgehend intakte Flussmündung erleben möchte, muss bis an die französische Loire reisen. Denn Flussvertiefungen sind mit massiven ökologischen Folgeschäden verbunden (Broschüre Ems, Weser, Elbe). Ganz besonders gravierend: Der Tidenhub der Weser ist extrem angestiegen, in Bremen an der großen Weserbrücke von ehemals ca. 0,5 m auf heute 4,20 m, Tendenz weiter steigend. Die Weser ist daher im Bremer Stadtgebiet weitgehend in ein Korsett aus Steinschüttungen und Spundwänden gezwungen worden. Riesige Hafenanlagen zur Bewältigung der globalisierten Warenströme sind entstanden. Flussfischerei lohnt sich dagegen nicht mehr, Flussbadestellen sind nahezu alle verschwunden. Vorschläge zur Wiedereinrichtung (BUND-Expertise Badestellen) liegen vor, kommen aber bislang nur vereinzelt voran (z.B. Rablinghauser Uferpark). Dennoch sind zwischen Bremen und Bremerhaven einige sehr wertvolle Bereich erhalten geblieben und stehen heute zumeist unter Naturschutz (s. Lebensraum Weser). 

Aktion gegen Weservertiefung Aktion gegen die Weservertiefung  (Richard Grassik / BUND Bremen )

Neben dem starken Anstieg des Tidenhubs führen Flussvertiefungen zu stark steigenden Strömungsgeschwindigkeiten in der Fahrrinne, immer kürzeren Laufzeiten der Sturmfluten von der Nordsee bis nach Bremen, Verschlickung von Nebenarmen, Stränden und Bootshäfen sowie einer flussaufwärts gerichteten Verschiebung der salzigen Brackwasserzone. Leidtragende dieser Verschlechterungen sind Deichschutz, Landwirtschaft, Fischerei, Freizeitnutzung und vor allem die natürlichen Lebensräume mit ihren charakteristischen Tieren und Pflanzen.

Der Widerstand gegen Flussvertiefungen an Weser, Elbe und Ems wächst zusehends und damit auch der Druck zur Zusammenarbeit der deutschen Seehäfen mit dem Ziel, Umweltschäden zu vermeiden. Während für die großen deutschen Containerhäfen Hamburg und Bremerhaven die Flüsse vertieft werden sollen, sind beim einzigen deutschen Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven die Kajen weitgehend leer – ökonomischer und ökologischer Unsinn! 

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